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Foto: Dennis Gauert – bfp

Steuer, Maut und Abwrackprämie

So wird das Nutzfahrzeugjahr 2021

Kommt der Aufschwung mit günstigeren Transporter-Steuern, Lkw-Abwrackprämie und Scheuers neuer Maut? bfp FUHRPARK & MANAGEMENT schaut ins Jahr 2021.

Von Dennis Gauert

Zukunftsvisionen empfehlen sich nach einem Jahr wie 2020 als Mittel für bessere Laune – sofern sie denn erfreulich sind. Für die Nutzfahrzeuge jedenfalls kommen im neuen Jahr Veränderungen daher, die teils hilfreich sind – wie die Pauschalbesteuerung für leichte Nutzfahrzeuge als Lkw oder eine Abwrackprämie für Lastenträger ab 7,5 Tonnen. Doch im Mautdesaster wittert der Verkehrsminister schon eine neue Chance für vollere Kassen: Die Transporter-Maut.

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Leichte Nutzfahrzeuge werden steuerlich zum Lkw

Seit Ende 2020 werden leichte Nutzfahrzeuge anders besteuert, noch vor Kurzem wurde in einigen Ausnahmefällen eine Pkw-Besteuerung für bestimmte Nutzfahrzeuge zugrunde gelegt. Damit ist nun Schluss: Künftig werden Nutzfahrzeuge als Lkw geführt – entsprechend weniger Steuern fallen für die Halter an. Die Maßgabe, nach der das Bundesfinanzministerium die leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zukünftig besteuert, richtet sich nach der Art des Aufbaus.

Fahrzeuge der Klasse N1 (Güterbeförderungsfahrzeuge bis 3,5 t) unterliegen künftig der gewichtsabhängigen Besteuerung. Fahrzeuge der Klasse M1 (Personenbeförderung) werden nach den Maßgaben der Pkw-Besteuerung, also nach Emissionswerten und Hubraum, gehandhabt. Betroffen sind 390.000 Fahrzeuge in Deutschland. Ihre Versteuerung wird automatisch umgestellt. Der CO2-Grenzwert für die Transporter liegt ab kommendem Jahr bei 147 Gramm je Kilometer. 

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Endlich Lkw: Statt komplizierter Regeln tritt nun die Gewichtsbesteuerung für leichte Nutzfahrzeuge in Kraft.
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Klimaschutz oder Konjunkturpaket? Sogar wer seinen Euro-5-Lkw in die Presse fährt, erhält bis zu 15.000 Euro vom Staat, um auf die neueste Abgasnorm umzusteigen.
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Bisher nur 560 Millionen verspielt: Verkehrsminister Andreas Scheuer greift mit der Forderung nach einer Straßengebühr für leichte Nutzfahrzeuge den letzten Strohhalm in der Maut-Affäre.
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Die Maschine läuft: Seit dem ersten harten Lockdown haben die Automobilkonzerne ihre Produktion wieder hochgefahren. 2021 könnte sich das Geschäft erholen.

Lkw-Abwracken im Namen der Effizienz

Seit dem 17. November wird eine von der Bundesregierung angestrebte Lkw-Abwrackprämie konkreter. Fuhrparks, die Lkw mit den Abgasnormen Euro 3, Euro 4 und Euro 5 verschrotten und auf einen Lkw mit Euro 6 umsteigen, erhalten eine Prämie. Nach Schätzungen ist mit Subventionen von 10.000 bis 15.000 Euro zu rechnen. Sie werden sich voraussichtlich nach der Abgasnorm des zu verschrottenden Lkw richten. Wie sinnhaft die Neuproduktion von Lkw als Ersatz für recht frische Fahrzeuge in Bezug auf das Klima ist, vermögen auch die Initiatoren nicht mit Zahlen zu belegen.

Ziel der Abwrackprämie ist es jedenfalls, so Regierungssprecher Steffen Seibert, alternative Antriebe wie Elektro- oder Wasserstoffantriebe stärker zu fördern und Fuhrparks Anreize zu bieten, moderne Anhängertechnologie zu nutzen. Dazu gehört zum Beispiel die Reifendruckmessung oder eine Achssteuerung für Auflieger. Insgesamt wird die Bundesregierung 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen, die sowohl für die öffentliche als auch für die privatwirtschaftliche Beschaffung neuer Lkw ab 7,5 Tonnen vorgesehen sind.

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Scheuer will leichte Nutzfahrzeuge für Maut aufkommen lassen

Im Rahmen der EU-Maut-Richtlinie will Verkehrsminister Andreas Scheuer die leichten Nutzfahrzeuge zur Kasse bitten. Auch in der 3,5-Tonnen-Klasse sollen künftig – so wie bisher erst in der 7,5-Tonnen-Klasse – Mautabgaben geleistet werden. Die Festlegung der Maut soll Ländersache werden, sodass auch vorstellbar ist, die Maut in besonders stark befahrenen Regionen anzuheben. Scheuers Forderung nach einer Maut für leichte Nutzfahrzeuge ist die Fortsetzung eines währenden Streits um die gestoppte Pkw-Maut.

Die Eurovignetten-Richtlinie stieß in Europa auf Widerstand, da sie unter anderem vorsah, ausschließlich ausländische Autofahrer in Deutschland zur Kasse zu bitten. Im Juni 2019 setzte der Europäische Gerichtshof dem Vorhaben ein Ende. Sogleich kündigte der Bund seinen vorher mit den Betreibern Eventim und Kapsch geschlossenen Vertrag. Als Schadenersatz stehen seitdem 560 Millionen Euro Steuergelder im Raum. Andreas Scheuer muss sich dafür vor dem Bundesverfassungsgericht verantworten. Ob die Maut für leichte Nutzfahrzeuge überhaupt kommt, hängt also auch an der Justiz.

Der Nutzfahrzeugmarkt kommt zurück

Durch die Corona-Pandemie hat die deutsche Automobilindustrie im Nutzfahrzeug-Bereich geschwächelt. In vielen europäischen Werken stand die Produktion während des Lockdowns im Frühling still. Auch die Kaufbereitschaft sank mit der Angst vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen. Schon im Oktober zeigte der Markt aber bereits wieder seine volle Stärke. Nur noch um 0,2 Prozent gaben die Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat nach. Getrieben wird die Entwicklung von den leichten Nutzfahrzeugen, die bei den Zulassungen stärker zulegen als Lkw.

Sollte die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffs positive Effekte auf die Infektionslage haben, ist im kommenden Jahr mit einer Normalisierung des Nutzfahrzeuggeschäfts insgesamt zu rechnen. Insbesondere die Logistikbranche hat durch den Zulauf beim Online-Handel weiter einen starken Stand. Zudem wird die Umstellung auf elektrifizierte Transporter 2021 perspektivisch zunehmen und hier zu einer Belebung des Geschäfts mit der letzten Meile führen. Auch elektrische Mini-Transporter oder Lastenräder mit E-Antrieb erreichen durch attraktive Prämien einen weiteren Aufschwung.

Für die Automobilindustrie bleibt das Geschäft mit den leichten Nutzfahrzeugen weiter eine Gratwanderung zwischen billigen Produktionsstandorten und markentypischer Qualität, die durch die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern unter Kontrolle gebracht werden will. Deutschland ist als Produktionsstandort zu teuer, sodass hierzulande bald nur noch hochpreisige leichte Nutzfahrzeuge á la Sprinter oder der kommende T7 Multivan lukrativ zu produzieren sind. Die Produktion von weltweit attraktiven Volumenmodellen wie Pick-ups und Kleintransportern wird künftig vermehrt durch globale Allianzen realisiert werden.

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