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Zukunft der Tankkarten

Tank- und Ladekarten – Elektrisierend digital

Digitalisierung, Elektromobilität und Multimodalität bringen Dynamik in die bisher eher statische Tankkartenlandschaft.

Inhaltsverzeichnis

Von Alfons Wolf

Der Markt der Tank- und Ladekarten erscheint auf den ersten Blick unübersichtlich; eine Systematisierung und Einordnung der Größenverhältnisse kann da Abhilfe schaffen. Dataforce hat sich die Wettbewerbssituation genauer angeschaut: Bei der Durchdringung liegen die DKV und die Tankkarten von Aral und BP nahezu gleichauf. Dabei hat die DKV Card, die sich in erster Linie an Lkw-Flotten richtet und auf hohe Abnahmemengen zielt, leicht die Nase vorne. Knapp dahinter liegt Euroshell. Es folgen mit bereits größerem Abstand die Tankkarten von UTA, Total und Esso. Die drei besten Anbieter zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie über alle Fuhrpark-Größenklassen hinweg, und dabei insbesondere in den großen Fuhrparks, stark vertreten sind.

Digitale Tankkarten-Transformation

Branchenexperten erwarten eine Bereinigung des Karten-Chaos. "Wir sehen aktuell eine Konsolidierung des Tankkartenangebots und eine Neugestaltung des Akzeptanznetzes", sagt Hans-Jörg Dengler, Leiter Marketing und Geschäftsentwicklung bei Alphabet. Eine weitere Veränderung, die bei der BMW-Tochter beobachtet werden kann, ist die zunehmende Verbreitung von Mobilitätskarten zur Bezahlung multimodaler Mobilität und fahrzeugnaher Leistungen. Dieser Aspekt leitet über zu den Trends, die sich im Hinblick auf die Entwicklung von Tankkarten im Flottengeschäft in mehrere Bereiche unterteilen lassen: ganzheitliche Mobilitätskonzepte, alternative Kraftstoffe und Digitalisierung.

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Beim Branchenriesen BP hat besonders die Digitalisierung Priorität. Ein zentraler Baustein der digitalen Transformation der internationalen Aral-Muttergesellschaft BP ist die Smartphone-App "BPme", die 2018 in Großbritannien eingeführt wurde. Das Pilotprojekt soll ausloten und verdeutlichen, wie sich der Konzern in Zukunft die Interaktion mit seinen Kunden vorstellt. "Wir glauben an die Transformation unserer traditionellen Tankkarte in eine digitale Plattform und bereiten unser Unternehmen auf diese Veränderungen vor. Eine wichtige Funktion von ‚BPme‘ ist, Kraftstoff bezahlen zu können, ohne das Auto verlassen zu müssen – das macht den gesamten Tankstopp einfacher, schneller und bequemer", so ein Unternehmenssprecher zu den Planungen des Konzerns. Die Einführung dieser und anderer Smartphone-Anwendungen in anderen Märkten wird derzeit vorbereitet.

Allerdings ist dafür noch viel Überzeugungsarbeit bei Fuhrparkmanagern notwendig. Nach einer Dataforce-Analyse bevorzugt eine deutliche Mehrheit die klassische Tankkarte. Die Vision eines komplett autonomen Bezahlens rückt damit in weitere Ferne.

Multifunktionale Karten

Eine gewisse Multifunktionalität ist bereits seit Längerem über die Abrechnung von Nicht-Tankleistungen gegeben. Schon heute rechnen laut Dataforce zwei Drittel aller Unternehmen ebenfalls die Autowäsche über eine Tankkarte ab. Öl läuft in der Hälfte aller Fuhrparks über die Tankkarte, die Mautabrechnungen immerhin noch in jedem vierten Fall. In den letzten Jahren erfährt die Multifunktionalität durch neue Schnittstellen, den Plattform-Gedanken, aber gerade auch durch die Elektromobilität deutlich Aufwind.

Der Vorteil kombinierter Tank- und Ladekarten liegt auf der Hand: Die Kunden müssen nicht mehr viele verschiedene Karten- oder App-Kombinationen mit sich herum tragen. Gerhard Künne, Leiter Mobility Unit Volkswagen Financial Services, beschreibt das Kartenangebot der Braunschweiger: "Kunden können mit der kombinierten Tank- und Ladekarte an derzeit an rund 10.000 Tankstellen herkömmlichen Kraftstoff tanken und gleichzeitig an rund 10.000 Ladepunkten in ganz Deutschland zu einem einheitlichen Stromtarif laden." Für diesen Service wurden die Netze elf von Ladesäulenbetreibern zusammengeführt.

Rainer Klöpfer, Geschäftsführer von Euroshell in Deutschland, betrachtet das aus der Perspektive der Fuhrparkmanager und verweist auf die Reduzierung des administrativen Zeitaufwands: "Der Fuhrparkmanager erhält alles in einer Rechnung und dadurch einen besseren Überblick. Zudem entfällt der Verwaltungsaufwand einer zweiten Karte für den Fahrer."

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Vernetztes Angebot

Der Geschäftsführer der Deutschen Avia, Holger Mark, lenkt die Aufmerksamkeit auf den Rohstoff Daten: "Das Stadium herkömmlicher physischer Tankkarten wird bei den Ladekarten weitgehend übersprungen. Der Vertrieb von 'Tankkarten' dürfte sich verstärkt auf digitale Vertriebskanäle ausweiten. Dies erhöht zunächst die Distanz zwischen Anbieter und Kunde, kann aber durch eine erweiterte Datennutzung langfristig zu einer verstärkten Kenntnis des Nutzerverhaltens führen." Die Daten und das darauf basierende Reporting kann im Übrigen auch dazu genutzt werden, CO2-Zertifikate zu erwerben und die Emissionen zu kompensieren.

Ein Beispiel für eine andere moderne Schnittstelle ist die regelmäßig notwendige Führerscheinkontrolle, die sich ebenfalls zur Integration in das Tankkartenmanagement anbietet. Das ist bei vielen Anbietern jedoch nicht umgesetzt; manch andere, wie beispielsweise Aral, Shell oder Total, haben diese Lösung aber in ihr Leistungsprogramm aufgenommen.

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Ausblick

Die Zukunft scheint also einen starken Leistungssprung für die Kunden bereitzuhalten. Freuen dürfen sich die Fuhrparkmanager und -managerinnen auch über die Konkurrenzsituation. "Wir erwarten einen harten Wettbewerb um die Kosten der getankten Elektroenergie der Anbieter", unterstreicht Karsten Rösel, Geschäftsführer ALD Automotive. Bei den Tankkarten gibt es viele größere Netze, in der Ladeinfrastruktur hingegen viele spezialisierte Anbieter. Die Herausforderung bei der Elektromobilität wird also sein, die Infrastruktur trotz eines wettbewerblichen Flickenteppichs abrechnungstechnisch zusammenzuführen.

Anders als bei herkömmlichen Kraftstoffen erfordert die E-Mobilität aber in der Regel auch einen Ausbau der Fuhrparkinfrastruktur im eigenen Betrieb. "Hier sind eine ausreichende Stromversorgung und ein bedarfsgerechtes Lastmanagement-Konzept die wichtigen Schlagwörter", weiß Rösel. Es geht eben nicht nur um "eine weitere Karte". Es geht um das Geschäft der Zukunft.

Eine Frage bleibt aber schlussendlich: Wenn Tanken durch Laden ergänzt wird und die physische Form der Karte durch die Digitalvariante, wie heißt denn dann die neue, innovative "Tank-Karte"? Denn der Begriff hat sich praktisch ja schon heute überholt.

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