Foto: Volvo

22 Selbstzünder dabei

VCD-Liste: Ökosiegel für Diesel

Von wegen Dreckschleuder. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat erstmals seit langer Zeit wieder Diesel als positive Beispiele aufgenommen.

Von Wolfgang Schäffer

Das "Warten auf das grüne Auto" dauert nach Ansicht des VCD weiter an. "Der große Fortschritt bei den alternativen Antrieben lässt weiter auf sich warten. Daher hat der Club – abgesehen von einer Handvoll Elektroautos – vor allem sparsame Verbrenner in seine Positiv-Liste aufgenommen."

VCD-Liste enhält auch Diesel mit NormEuro 6d-TEMP

Neben den nach Ansicht des VCD bewährten Hybriden und Erdgasautos sowie Benzinern sind darunter auch Diesel. Bei den Selbstzündern handele es sich ausschließlich um Fahrzeuge, die bereits die neueste Abgasnorm Euro 6d-TEMP einhalten und Stickoxide mit einem SCR-Kat mindern. "Diese Autos sind somit auch auf der Straße sauber", betont der Verkehrsclub und weist ausdrücklich darauf hin, in der Auto-Umweltliste 2018/2019 nur Autos zu empfehlen, die "auch in den kommenden Jahren noch in jeder deutschen Innenstadt fahren dürfen."

Wasilis von Rauch, VCD-Bundesvorsitzender: "Die Diskussion um die Umwelteigenschaft von Autos ist beherrscht vom Abgasskandal, der immer neue Blüten treibt. Das weltweit größte Umweltproblem ist die Klimakrise, die durch den weiterhin viel zu hohen Ausstoß von Treibhausgasen voranschreitet. Deswegen müssen neue Autos nicht nur wenig Schadstoffe ausstoßen, sondern auch wenig Kraftstoff verbrauchen und wenig CO2 produzieren."

Verbraucher erhalten erstmals einen Überblick über CO2-Werte

Insgesamt führt der VCD 61 Neuwagen mit wenig Schadstoffausstoß und geringem Verbrauch in der Positiv-Liste auf. "Verbraucher erhalten erstmals einen Überblick über CO2-Werte und Kraftstoffverbrauch nach dem neuen WLTP-Messverfahren", erklärt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.

Der VCD listet 22 Diesel-Modelle auf. Im vergangenen Jahr war nicht ein Selbstzünder vertreten. Außerdem enthält die Liste enthält 21 sparsame Benziner, acht Benzin-Hybride, sieben reine Elektroautos, zwei Plug-In-Hybride und mit dem VW Eco Up nur ein Erdgasfahrzeug. Für andere Erdgas-Modelle hätten die Hersteller keine Verbrauchsangaben nach dem neuen realistischeren WLTP-Zyklus geliefert, bemängelt der Club.

Warnung vor älteren Dieseln

Ausdrücklich warnt der VCD vor dem Kauf von Dieselfahrzeugen, die nur die 6c-Norm erfüllen. Oft lägen bei diesen die Stickoxidwerte viel zu hoch, weshalb diese aktuell noch am Markt verfügbaren Selbstzünder in naher Zukunft ebenfalls von Fahrverboten betroffen sein könnten.

Zu den empfehlenswerten Autos zählt der VCD Benzin-Hybride wie den als Familienauto und als Taxi bewährten Toyota Prius Hybrid, sparsame Benzin-Direkteinspritzer mit Partikelfilter wie den Ford Focus EcoBoost sowie das meist verkaufte Elektroauto in Deutschland, den Renault Zoe. Als Dieselfahrzeug schneidet unter anderem der Peugeot 308 SW Blue HDi 100 gut ab.

Alle vom VCD gelisteten Autos stoßen nach dem neuen, realitätsnäheren Prüfverfahren WLTP maximal 135 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Dies entspricht einem Verbrauch von 5,1 Litern Diesel und 5,7 Litern Benzin. Zudem beträgt der Fahrlärm der Autos nicht mehr als 73 Dezibel.

VW Eco Up mit niedrigstem CO2-Wert

Den niedrigsten CO2-Wert in der Liste weist der VW Eco Up mit 100 Gramm auf, gefolgt von den Hybriden Toyota Yaris, Prius sowie Lexus CT 200h. Sparsamster Diesel ist der Peugeot 208 Blue HDi 100. Das E-Auto mit dem niedrigsten Verbrauch ist der VW E-Up mit 11,7 kWh auf 100 Kilometer.

VCD verzichtet auf Ranking

Auf ein umfangreiches Ranking hat der ökologische Verkehrsclub verzichtet, da die Autohersteller nur zum Teil in der Lage waren, aktuelle Daten zu den Verbrauchs- und Emissionswerten ihrer Neuwagen zu liefern. Die vom VCD nun veröffentlichten CO2-Werte für die empfohlenen Pkw sind bislang weder in den Verkaufsprospekten der Autohersteller noch im Internet zu finden. Auch beim Kraftfahrtbundesamt gibt es keine Übersicht zu den neuen WLTP-Daten.

Verbraucher erhalten mit der Auto-Umweltliste nun erstmals Einblick in die realitätsnäheren CO2-Werte ausgewählter Pkw. Für die Umwelt schädlich sind aus Sicht des VCD die von den Autoherstellern viel beworbenen großen E-Limousinen oder elektrobetriebene SUV. Sie benötigen große Batterien oder weisen in Kombination mit Verbrennungsmotor als Plug-In-Hybrid lediglich auf dem Papier niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte auf.

E-Autos sind nichts für Wenigfahrer

Elektroautos wie Renault Zoe, Nissan Leaf, BMWi3 oder der VW e-Up würden sich indessen immer mehr lohnen. Wie klimaverträglich sie sind, hängt natürlich vom Strommix ab, mit dem man sie lädt. Mit dem Zubau erneuerbarer Energien und dadurch, dass Antrieb und Batterieproduktion sich weiterentwickeln, werden E-Fahrzeuge aber ökologisch immer besser.

"Aus ökologischer Sicht lohnen E-Autos sich nicht für Wenigfahrer"

Derzeit sorgen die Hersteller aber für zwei Probleme: Sie bieten wenige Modelle an und diese haben zum Teil absurd lange Lieferzeiten, so der VCD. Zudem stellt der Verkehrsclub klar fest: "Aus ökologischer Sicht lohnen E-Autos sich nicht für Wenigfahrer oder als Zweitwagen, der höchstens 5000 Kilometer im Jahr unterwegs ist. Denn die Batterieproduktion ist extrem energieaufwändig." Besonders geeignet seien E-Autos in städtischen Fuhrparks und als Carsharing-Pkw.

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