Foto: Christian Frederik Merten - bfp

bfp-Fahrtest

Volvo S60: Immer entspannt ankommen

Der Volvo S60 ist prädestiniert für lange Fahrten. Am Ende entscheiden wir uns für den Kombi V60 – an den Qualitäten der Limousine liegt das aber nicht.

Von Christian Frederik Merten

In große Fußstapfen tritt er, der Volvo S60. Der 240, der 850 oder dann auch der S70 waren Volvo-Limousinen, die so schnell nicht in Vergessenheit geraten. bfp FUHRPARK & MANAGEMENT hat den aktuellen Volvo S60 genauer unter die Lupe genommen und unser Urteil lautet: Er nimmt den aktuellen Platz in der Ahnenreihe mittelgroßer Volvo-Limousinen zurecht ein.

Seit Frühjahr 2019 ist der S60 Nummer drei auf dem Markt und ist quasi ein Amerikaner: Die Mittelklasse-Limousine rollt im neuen Volvo-Werk Charleston im US-Bundesstaat South Carolina vom Band. Nach seinen beiden ziemlich rundlichen Vorgängern ist der neue S60 wieder ein klassisches Bekenntnis markanten Volvo-Designs. Wie seine Plattform-Geschwister der 90er-Reihe sowie seine Kombiversion V60 trägt er den typischen Markengrill und die schmalen Scheinwerfer mit den "Thors Hammer"-Tagfahr-LEDs. Das sichelförmige Design der Heckleuchten ähnelt denen der größeren Limousine S90. Mit seiner flach stehenden Windschutzscheibe, der ansteigenden Fensterlinie sowie der muskulösen C-Säule bringt der S60 eine ordentliche Portion Dynamik mit.

Alles typisch Volvo im S60

Auch im Innenraum erkennt man sofort, dass man in einem Volvo sitzt. Immer mit dabei sind die 12,3-Zoll-Digitalinstrumente, besonders markenprägend ist aber der vertikal ausgerichtete Neun-Zoll-Touchscreen des serienmäßigen Infotainment-Systems "Sensus Connect". Die Instrumentierung präsentiert sich gewohnt übersichtlich, die Menüstruktur von Infotainment und Navi ist aber weiterhin nicht auf Anhieb logisch. Immerhin: Nach einiger Gewöhnungszeit weiß man natürlich auch auf dem S60-Touchscreen, wo man drücken muss.

Trotz seiner dynamischen Linien bietet der S60 eine Menge Platz. Das gilt nicht nur für Fahrer und Beifahrer, sondern auch für die Fondpassagiere. Für einen 1,80-Meter-Menschen gibt es hinten auch dann noch genug Bein- und Kopffreiheit, wenn vorne eine ebenso große Person Platz genommen hat. Der Kofferraum wirkt in der Praxis luftig, die laut Werk 436 Liter Fassungsvermögen bewegen sich jedoch im Klassendurchschnitt.

Volvo XC60 B5 Benzin: Alternative zum Diesel?

Volvo elektrifiziert seine Modellpalette, ein Beispiel ist der Mild-Hybrid XC60 B5 Benzin. Wir haben uns das SUV mit Allradantrieb genauer angeschaut.
Artikel lesen >

Bei Tempo 180 ist jetzt Schluss

Einen Diesel bietet Volvo für den S60 nicht mehr an. Selbstzünder-Freunde müssen zum Kombi V60 greifen. Unser Testwagen war ein S60 B4 Inscription mit 197 PS und 48-Volt-Mildhybrid-System. Diese Motorisierung stellt den Einstieg in die S60-Welt dar, Alternativen sind der zweite Mildhybrid S60 B5 mit 250 PS oder der Plug-in-Hybrid S60 Recharge mit 303 plus 87 PS. Die Kraft bringt in jedem Fall die bekannte Achtgang-Automatik auf die Räder.

Schon dem B4 kann man keinen Kraftmangel vorwerfen. Die Maschine spurtet, unterstützt vom 14-PS-Elektromotor, beim Tritt aufs Gas unverzüglich los. Auch vor Überholvorgängen fürchtet sich der S60 B4 nicht, sondern bietet auch bei höherem Tempo notfalls genügend Elastizität. Allerdings: Bei 180 km/h ist Schluss, Volvo riegelt seine komplette Modellpalette jetzt ab. Fanden wir übrigens nicht weiter schlimm.

Der S60 knausert nicht

Akustisch war unser S60 zurückhaltend, beim Verbrauch dagegen weniger: 9,1 Liter Super flossen bei uns je 100 Kilometer durch die Zylinder. Ok, wir haben mit unserem S60 viele Autobahn-Etappen absolviert, aber genau dafür ist dieses Auto ja auch prädestiniert.

Denn der S60 bietet – in diesem Fall mit dem optional verbauten adaptiven Fahrwerk für 756 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) – äußerst viel Fahrkomfort und rollt gleichzeitig knackig ab. Zusätzlich sorgt die direkte Lenkung für leichtfüßiges Handlung und viel Fahrspaß. Perfekte Voraussetzungen also, um auch nach langen Etappen entspannt ans Ziel zu kommen.

Dazu tragen auch die Sitze des Mittelklässlers bei. Serienmäßig fährt der S60 Inscription mit Ledersitzen vor. Unser Testauto hatte jedoch für 1.059 Euro die Tailored-Wool-Sportsitze an Bord. Mit ihrer Textur und hellgrauen Farbgebung passen sie aus unserer Sicht perfekt in die schwedische Limousine. Außerdem gilt für sie dasselbe wie fürs Fahrwerk: die Mischung aus Komfort und Sport stimmt, man sitzt wie angegossen.

Volvo S60: Plug-in-Hybrid statt Diesel

Der Volvo S60 rollt in die dritte Generation. In der Sportlimousine verzichtet der schwedische Hersteller erstmals auf einen Dieselantrieb.
Artikel lesen >

Letztlich wird´s der Kombi V60

Welchen S60 also nehmen? Unser Urteil: Langstreckenfahrer greifen zum Kombi. Warum? Weil der V60 auch weiterhin mit einem Diesel bestellbar ist. Und der ist bei vielen weiten Etappen, dem ureigenen Revier der 60er-Reihe von Volvo, doch immer noch die beste Wahl.

Zunächst ein kurzer Preisvergleich. Unseren Testwagen S60 B4 Inscription ohne weitere Extras gibt es ab 36.807 Euro. Er ist damit der derzeit günstigste S60 in Deutschland, Volvo bietet den S60 lediglich in den höheren Versionen Inscription und R-Design an. Die V60-Preise beginnen bereits ab 32.689 Euro. Der hat dann allerdings lediglich einen 163 PS starken Benziner und die ausschließlich für diesen Motor erhältliche Ausstattung Momentum Core an Bord.

Werfen wir für alle Vielfahrer nun aber einen Blick auf den Diesel. Eine Wahl haben Kunden nicht, es gibt lediglich einen 197-PS-Selbstzünder im V60. 38.697 Euro kostet er mindestens und kommt dann als Momentum. Wir würden allerdings zum Momentum Pro (ab 40.420 Euro) greifen, schon allein, weil hier Navi sowie Apple Carplay und Android Auto mit an Bord sind. Als Optionen empfehlen wir auf jeden Fall

  • die "Tailored Wool"-Sportsitze (hier 1.050 Euro)
  • das Intellisafe-Paket Pro mit nützlichen Assistenzsystemen (1.387 Euro)
  • das Licht-Paket (unter anderem dynamisches Kurvenlicht und Fernlichtassistent; 882 Euro)
  • das Parkassistent-Paket (Einparkhilfe vorn und hinten sowie Rückfahrkamera; 588 Euro) sowie
  • das Winter-Paket (unter anderem Lenkrad- und Sitzheizung vorn; 420 Euro)

Übrigens, auch wenn wir für Vielfahrer letztlich beim Diesel gelandet sind: Ein empfehlenswerter Antrieb ist der Benziner mit 197 PS für alle, die nicht so viel Kilometer reißen, auf jeden Fall. Wir würden aber auch hier zum Momentum Pro mit unseren Options-Empfehlungen greifen. Bleibt uns also wieder nur der Kombi, und den gibt es mit diesem Motor ab 37.815 Euro. Und für alle, die fast nur auf Kurzstrecken unterwegs sind, lohnt auch ein Blick auf die Plug-in-Hybride, die Volvo in S60 und V60 anbietet.

Der Volvo S60 B4 Benzin Mildhybrid Inscription in der Kurzkritik:

Plus:

  • Dynamisch-komfortables Fahrwerk
  • Direkte Lenkung
  • Angenehmer Langstrecken-Begleiter

Minus:

  • Weniger Ausstattungs- und Motorenauswahl als im V60
  • Relativ hoher Verbrauch

Technische Daten Volvo S60 B4 Benzin Mildhybrid Inscription:

  • Viertürige Mittelklasse-Limousine mit fünf Sitzen
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.761/1.850/1.431 mm
  • Frontantrieb mit Achtgang-Automatikgetriebe
  • Leistung Benziner: 145 kW (197 PS)
  • Max. Drehmoment Benziner: 300 Nm bei 1.500 – 4.200 U/min
  • Leistung E-Motor: 10 kW (14 PS)
  • Max. Drehmoment E-Motor: 40 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 s
  • Norm-Verbrauch (WLTP): 6,7 l
  • Testverbrauch: 9,1 l
  • CO2-Emission (WLTP): 152 g/km
  • Kofferraumvolumen: 436 l
  • Tankinhalt: 60 l
  • Zuladung: 454 kg
  • Schadstoffklasse: Euro 6d
  • Effizienzklasse: A
  • KH/VK/TK: 15/23/22

Tipps & News rund um Fuhrparkmanagement und betriebliche Mobilität:der fuhrpark.de-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen fuhrpark.de-Newsletter!