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bfp-Interview

Webfleet Solutions: "Wachsende Akzeptanz für Telematik"

Wolfgang Schmid, Vertriebschef von Webfleet Solutions in Deutschland, beantwortet die Frage, wie Telematik-Systeme den besten Nutzen stiften.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Telematik-Lösungen bieten gerade für Fuhrparks große Effizienzpotenziale. Welche das genau sind, erklärt Wolfgang Schmid, Sales Director D-A-CH bei Webfleet Solutions, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT.

Telematik-Mehrwert für alle Zielgruppen

bfp: Herr Schmid, welche Potenziale besitzt die Telematik heute und in Zukunft für Flotten- und Gewerbekunden?

Wolfgang Schmid: Ich sehe folgende Ausgangslage: Wenn man sich die Gesamtanzahl der kommerziell genutzten Fahrzeuge Stand heute anschaut, haben sich in der Tat erst wenige Unternehmen für Telematik-Services entschieden. Darunter sind vor allem Transport- und Logistikunternehmen. Dabei können wir auch all jenen Fahrzeughaltern, die Telematik derzeit noch nicht nutzen, einen Mehrwert für ihren Arbeitsalltag bieten. Denn unsere Expertise ist die Aufbereitung und Auswertung der zugrundeliegenden Fahrzeugdaten.

bfp: Wie profitieren Kunden konkret von Telematik-Systemen? Und zwar nicht nur im Nutzfahrzeug-, sondern auch im Pkw-Segment?

W. Schmid: Beim Thema Mehrwert geht es immer wieder um die gleichen Punkte: um die Verbesserung des eigenen Kundenservices und der Betriebseffizienz, also darum, Zeit und Kosten optimal einzusetzen. Dafür können Telematik-Systeme einen wichtigen Beitrag leisten. Außerdem helfen sie dabei, die Sicherheit der Fahrer und ihrer Mitfahrer zu verbessern und gesetzliche Regelungen einzuhalten, indem sie zum Beispiel verlässliche Daten zu Lenk- und Ruhezeiten liefern.

bfp: Das heißt, auch die Fahrerinnen und Fahrer profitieren von Telematik?

W. Schmid: Auf jeden Fall. Wir versorgen sie mit aktuellen und verlässlichen Informationen, wodurch auch sie in der Lage sind, bessere Entscheidungen zu treffen. Nehmen Sie zum Beispiel vorausberechnete Ankunftszeiten, die den Arbeitsalltag für Disponenten wie Fahrern deutlich einfacher machen. Im Zusammenspiel mit den Vorteilen für die Unternehmen ergibt sich so ein noch größerer Nutzen.

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Was genau ist Telematik?

bfp: Woran liegt es, dass besonders deutsche Unternehmen dennoch noch sehr skeptisch sind, was das Thema Telematik betrifft?

W. Schmid: Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und des Internet of Things (IoT) beobachten wir eine deutlich wachsende Akzeptanz für die Themen auch in Deutschland. Wenn ich mir die Unterschiede in den verschiedenen Märkten anschaue spielen vor allem nationale gesetzliche Vorgaben eine Rolle. Nehmen wir das Beispiel USA, wo Vorschriften zu Electronic Logging Devices (ELD) die Nachfrage nach Telematik-Systemen derzeit in die Höhe schießen lassen. Auch Großbritannien ist uns in Sachen Telematik vermeintlich ein bis zwei Jahre voraus. Dort wird zum Beispiel die Nutzung von Kamerasystemen wie Dashcams, mit denen man sich in Deutschland noch immer in einer rechtlichen Grauzone bewegt, immer beliebter.

bfp: Wie viele Fuhrparks in Deutschland nutzen derzeit Telematik-Systeme?

W. Schmid: Die Frage lässt sich leider nicht so einfach beantworten, denn Telematik ist als solcher ein weitfassender Begriff. Telematik wird als „eine Technik, welche die Bereiche Telekommunikation und Informatik verknüpft definiert“. Im Bereich der Flottenkommunikation wird meist enger abgegrenzt, was ein Telematik-System ist und was nicht. Zum Beispiel der Notruf-Knopf im Auto: Ist das Telematik, ja oder nein? Darüber streiten sich die Geister.

Telematik nicht nur für Serviceflotten interessant

bfp: Für welche Zielgruppen ist die Telematik besonders interessant?

W. Schmid: Transport- und Logistikunternehmen sind unsere wichtigste Zielgruppe. Das hat damit zu tun, dass Effizienzgewinne durch die Telematik dort sehr schnell sichtbar werden. Bau- und Handwerksunternehmen sind aber auch eine Zielgruppe, die vermehrt auf Telematik setzt. Große Nachfrage verspüren wir zudem bei Unternehmen, die im Personentransport aktiv sind. Deutlichen Zuwachs sehen wir auch bei Pkw-Flotten, die sich der Telematik immer mehr öffnen.

bfp: Im Pkw-Bereich sprechen wir in erster Linie über Serviceflotten, richtig?

W. Schmid: Überwiegend, aber nicht nur. Sicherlich spielt bei reinen Serviceflotten das Auftragsmanagement, das sich über Telematik-Systeme sehr gut abbilden lässt, eine besonders große Rolle. Aber natürlich können wir unser System so konfigurieren, dass einzelne Bestandteile auch aus Datenschutzgesichtspunkten für Dienstwagenfahrer nutzbar sind. Ich denke hier zum Beispiel an Fahrtenbuchlösungen, die sich durchaus auch im Flottenbereich datenschutzkonform umsetzen lassen.

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Vielfältige Anwendungsfälle für Telematik-Lösungen

bfp: An welchen Stellen können die Lösungen von Webfleet Solutions konkret unterstützen?

W. Schmid: Wir sind mit unseren Lösungen und Services sehr breit aufgestellt: angefangen mit OBD-Lösungen, die einfach im Fahrzeug angesteckt werden, über unsere Link-Fahrzeugortungsgeräte, die meist verdeckt im Auto angeschlossen werden, bis hin zu den umfassenden "Pro Driver"-Terminals, die den Fahrer mit Navigation, Auftragsworkflows und Arbeitszeiterfassung sowie mit Reporting- und Dashboard-Funktionalitäten unterstützen. Dementsprechend breit gestreut sind auch die Anwendungsfälle: von der reinen Fahrzeugortung über die Steigerung der Sicherheit, der Fahr- und Kraftstoffeffizienz und der Information über Lenk- und Ruhezeiten bis hin zur Auftragsoptimierung ist alles möglich. Und all diese Funktionen, ebenso wie zum Beispiel die Führerscheinkontrolle oder Arbeitszeiterfassung auch für mitfahrende Kollegen, lassen sich über Schnittstellen einfach in die eigene Betriebsumgebung einbinden.

bfp: Welche Fahrzeugdaten lesen Sie genau aus?

W. Schmid: Das hängt vom Fahrzeugtyp, vom Hersteller und der von uns eingesetzten Hardware ab. Die Unterschiede zwischen OBD-/und FMS-Schnittelle einerseits und dem Abgriff von Can-Daten andererseits zu erklären, würde hier vermutlich zu weit führen. Wichtig erscheint mir, dass wir die Daten herstellerübergreifend verarbeiten und mit den von unserer Hardware erhobenen Daten anreichern. So können wir auch die Informationen von Mischflotten, vom Pkw über die leichten bis hin zu schweren Nutzfahrzeugen praxisgerecht aufbereiten und über alle internetfähigen Geräte zur Verfügung stellen.

bfp: Es geht aber doch nicht nur um Positionsdaten?

W. Schmid: Nein, Telematik, wie wir sie verstehen, sollte keinesfalls auf Positionsdaten beschränkt verstanden werden. Wir können auch Fahrdaten, wie Leerlaufzeiten, Beschleunigungs- und Bremsintensitäten oder starke Kurvenfahrten, auswerten. Diese Daten erklären wir auf Wunsch unseren Kunden, um sie dabei zu unterstützen, ihre Ziele für mehr Sicherheit und Effizienz zu erreichen. Wir legen allerdings großen Wert darauf, gemäß der in der Datenschutzgrundverordnung geforderten Zweckbindung nicht alle möglichen Daten aus dem Fahrzeug zu übermitteln, sondern uns auf die Erfordernisse des jeweiligen Kunden zu beschränken.

Individualisierbare Reportings

bfp: Welche Reporting-Tools stellen Sie Ihren Kunden denn zur Verfügung?

W. Schmid: Da gibt es zwei Bereiche: einmal klassische Reportings und die Dashboards. Unter dem klassischen Reporting verstehen wir alle Berichte, die typischerweise auch ausgedruckt werden könnten, während Dashboards einen möglichst raschen Überblick geben, aber auch die Möglichkeit bieten, per Mausklick tiefer in die zugrundeliegenden Daten einzudringen. Natürlich lassen sich beide Berichtsformen benutzerbezogen anpassen.

bfp: Wie viel Zeit beansprucht die Hardware-Installation Ihrer Geräte?

W. Schmid: Unsere OBD-Lösungen haben Sie in wenigen Minuten angeschlossen. Da wir die Link-Geräte in der Regel verdeckt verbauen, dauert es fahrzeugspezifisch etwas länger. Hier sprechen wir aber auch nur von wenigen Stunden. Und wenn es um individuelle Vollausstattungen geht, planen wir auch einen halben Tag ein.

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Ab wann lohnt sich Telematik? "Ab einem Fahrzeug."

bfp: Ab welcher Fuhrparkgröße empfehlen Sie Telematik-Lösungen?

W. Schmid: Ab einem Fahrzeug. In unserem Preismodell lässt sich der Grenznutzen bereits ab einem Fahrzeug nachweisen. Nehmen Sie als Beispiel nur das elektronische Fahrtenbuch, oder Kunden, die schon mit einem oder zwei Fahrzeugen Dispositionstätigkeiten vornehmen und für die die Routenoptimierung auch schon ihre Vorteile ausspielt.

bfp: Was sollten Unternehmen, die Telematik einführen möchten, organisatorisch vorbereiten?

W. Schmid: Im Prinzip müssen sie nichts vorbereiten. Sobald Sie den OBD-Stecker angeschlossen haben, können Sie sich über die ersten Fahrzeugdaten freuen. Allerdings macht es in den meisten Fällen durchaus Sinn, die Telematik-Einführung vorzubereiten, vor allem in größeren Unternehmen oder auch in Kooperation mit dem Betriebsrat. Da ist es hilfreich, die eigenen Prozesse zu kennen und die künftige Nutzung der Telematik daraufhin auszurichten. Denn genau darauf kommt es ja an: die Telematik an die individuellen Unternehmensbedürfnisse anzupassen.

bfp: Von welchen Preisstaffeln sprechen wir bei Webfleet Solutions?

W. Schmid: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Kauf- und Mietangeboten. Beim Kauf liegen die Preise unter 200 Euro und, wenn Sie ein Komplettpaket wählen, bei zirka 1.000 Euro. Im Bereich der Software-Subscription fangen die Tarife unter zehn Euro an und passen sich dann gemäß der ausgewählten Funktionalität, immer aber inklusive des Datenvolumens, an. Für weniger als 26 Euro erhalten Kunden Position-, Fahrzeug-, Fahrtanalyse- und Auftragsdaten inklusive der Live-Verkehrsdaten.

bfp: Herr Schmid, herzlichen Dank für das Gespräch.

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