Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio (2018)
Foto: Thomas Starck

Fahrbericht

Wenn’s ein bisschen mehr sein darf

Der Power-Allrader Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio ist eines schnellsten SUV auf dem Markt. Im Alltag lässt es sich dennoch unprätentiös bewegen.

Wer als User-Chooser oder Unternehmer ein Power-SUV sucht, muss nicht länger notgedrungen zu Mercedes-AMG oder Porsche greifen, sondern wird jetzt auch bei Alfa Romeo fündig. Mit dem Stelvio Quadrifoglio haben die Italiener das stärkste und schnellste Modell seiner Klasse im Angebot. Sein 2,9-Liter-V6 bringt es mit Turbo und Entwicklungshilfe von Ferrari auf 375 kW/510 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 283 km/h. Damit hat der Performance-Stelvio auf der Nürburgring Nordschleife des Nürburgrings eine beeindruckende Bestzeit für SUV in den Asphalt gefräst. Der Preis für das italienische Geschoss liegt mit 89.000 Euro nur auf den ersten Blick auf dem Niveau der deutschen Wettbewerber: Der Porsche Macan Turbo mit Performance Paket „nur“ über 440 PS und wer die karge Porsche-Ausstattung dem Alfa angleicht ist schwups jenseits der 100.000-Euro-Marke gelandet. Ein gleichstarker Mercedes-AMG GLC 63 ist mit knapp 92.000 Euro bereits in der Grundausstattung drei Tausender teurer; ausstattungsbereinigt wird die Differenz leicht fünfstellig.

Fahrfreude für vielfältige Zielgruppen.

Optisch hält sich der stärkste Stelvio angenehm zurück. Doch fährt man dem stärksten Stelvio hinterher, wird rasch klar, dass es sich um die Performance-Variante handelt: Vier potente Auspuffendrohre zeigen den übrigen Verkehrsteilnehmer, dass sie sich mit diesem Kandidaten besser nicht anlegen sollten. Trotz gleicher Motorisierung hat das SUV – abgesehen von 1.600 Liter Gepäckraumvolumen – einen gänzlich anderen Charakter als die Mittelklasse-Limousine Giulia Quadrifoglio: Während die stärkste Giulia mit Hinterradantrieb vor allem die Augen motorsportaffiner Bleifußakrobaten zum Leuchten bringt, beschert das ausschließlich mit Vierradantrieb lieferbare SUV unterschiedlichen Zielgruppen Fahrfreude.

Hecklastiger Allradantrieb und hohe Fahrstabilität.

Auf dem spanischen Ascari-Kurs mit dem potenten Stelvio unterwegs, ist man froh, dass der Hersteller serienmäßig massive Sportsessel mit stark ausgeprägten Seitenwangen spendiert, die die Passagiere auch dann noch in der Mittelbahn halten, wenn man ambitioniert am griffigen Alcantara-Kranz zerrt. Denn der fast 1,70 Meter hohe Kraxler kann querdynamisch ziemlich schnell unterwegs sein. Das aktive Allradsystem arbeitet hecklastig und leitet bei Traktionsverlust schnell Moment in Richtung Vorderachse. Ein mechanisches Sperrdifferenzial mit Torque Vectoring-Funktion unterstützt schnelle Kurvenfahrten; die variable Kraftverteilung zwischen den Radseiten kann bei fahrdynamischen Manövern gezielt eingesetzt werden, um eine stabilisierende Wirkung zu entfalten.

Keine elektronischen Fesseln.

Doch auch unter ganz normalen Verkehrsbedingungen lässt sich das Sport-SUV lustvoll bewegen. Denn selbst im achten Gang schiebt der 600 Nm-Brocken den 1,9-Tonner noch bullig an. Dabei klingt der Sechszylinder kernig, aber nicht aufdringlich. Richtig hämmernd (innen) und sprotzelnd (außen) wird er erst, wenn man sich drehzahlmäßig Richtung Begrenzer bewegt – und dann soll das Triebwerk mit Ferrari- und Maserati-Genen ja schließlich auch Sound machen. Wer das rechte Pedal nach warmgefahrenen Motor beherzt durchdrückt, erlebt den Italiener ziemlich vehement davon stürmen – in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Der Tempobegrenzer ist hier keine Elektronik, sondern der natürliche Luftwiderstand – erst bei 283 Sachen ist Schluss.

Zylinderabschaltung hilft Sparen.

Mit seinem elektronisch geregelten Fahrwerk bewahrt sich der Alfa eine Portion Restkomfort und ist alles andere als hart. Das Automatikgetriebe arbeitet mit Drehmomentwandler, überzeugt also durch geschmeidige Schaltvorgänge. Der von den Alfisti liebevoll „QV“ genannte Topliner konsumiert laut Werk neun Liter Kraftstoff je 100 Kilometer. Das ist ein angesichts der Leistung durchaus respektabler Wert, der nicht zuletzt dadurch zustande kommt, dass der Sechsender bei moderater Fahrweise eine Zylinderbank abschaltet. Wer den Fahrmodus-Regler auf Schongang stellt, bekommt nicht die volle Leistung.

Nur wenig für Verbesserungen.

Nur beim Infotainment muss der Hersteller nachlegen – zwar lotst das Navigationssystem zuverlässig zum Ziel, doch bis das erst einmal im Rechner landet, sind ein paar Nerven verloren. Das mag ein Porsche Macan Turbo besser können, doch der Markencharme und das Gefühl, ein bisschen individueller unterwegs zu sein, sind ja auch ganz fein. Und was das Antriebskapitel angeht, macht dem Alfa so schnell kein Wettbewerber etwas vor.

Kurzcharakteristik:

Warum: Weil der stärkste Stelvio eine Balance aus sportlichem Fahrerlebnis und Nutzwert bietet.

Warum nicht: Weil ein so leistungsstarkes SUV eigentlich überflüssig ist.

Was sonst: Mercedes-AMG GLC 63 und Porsche Macan Turbo.

(md/SP-X)

Technische Daten:

  • Typus: Mittelklasse-SUV

  • Länge: 4,70 Meter

  • Breite: 1,96 Meter

  • Höhe: 1,68 Meter

  • Radstand: 2,82 Meter,

  • Kofferraumvolumen: 525 bis 1.600 Liter

  • Motor: 2,9-Liter Sechszylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung

  • Getriebe: Achtgang-Wandlerautomatik

  • Leistung: 375 kW/510 PS

  • Maximales Drehmoment: 600 Nm bei 2.500 U/min

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 3,8 s

  • Höchstgeschwindigkeit: 283 km/h

  • Durchschnittsverbrauch: 9,0 l/100 km

  • CO2-Ausstoß: 210 g/km

  • Abgasnorm: Euro 6

  • Effizienzklasse: E

  • Listenpreis: ab 89.000 Euro

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