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Test: Der neue BMW 7er

BMW 730d xDrive: Der Fuhrpark fürs Management

Mit riesigen Nieren erweitern die Bayern das Boss-Image ihres Flaggschiffs. Der 7er als sparsamer Diesel im Fahrtest.

Inhaltsverzeichnis

Von Dennis Gauert

60.000 Kilometer pro Jahr, seit zehn Jahren kein Aerobic-Kurs und die Breitling geht hoffentlich eine halbe Stunde vor - da kommt die Luxus-Lounge inklusive zuvorkommender Bedienung gerade recht. Und BMW hat sie: Mit der gewaltigen Grilleinheit, die jedem unmissverständlich die Zähne zeigt, hat das Facelift des 7ers den Vorhang für den chinesischen Markt eröffnet. Hierzulande wirkt das auf manche eher befremdlich. Eine sportlich abgestimmte Luxus-Limousine ist das Flaggschiff aber auch weiterhin. Nur eben anders.

Selbstzünder mit 640 Newtonmetern

Erschöpfen wir uns nicht in Klimadiskussionen: In ein Reise-Auto gehört ein Selbstzünder. 640 Newtonmeter flößt BMW dem knapp zwei Tonnen schweren, fünf Meter Zehn langen Koloss schon mit dem kleinsten Dieselmotor per Glühkerze ein. Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbodiesel marschiert direkt und unnachgiebig durch die Wandlerautomatik, die die Gänge, je nach Belieben, sportlich direkt oder gemütlich weich einlegt. Am Antrieb herrscht kein Zweifel: Die gebotenen 265 PS machen Laune und halten den Ellenbogen in Form von Daten aus dem Fenster: In 5,8 Sekunden von null auf Tempo 100 km/h, 250 km/h Spitze, mehr braucht es sicher nicht. Dazu ist der Dicke auch noch auf Diät: Sieben Liter Diesel können im Mittel schon reichen (Eco-Modus), die Fahrspaßzone (Sportmodus) liegt mit etwa acht Litern nicht weit entfernt.

Sanftes Gleiten dank adaptivem Luftfahrwerk

Da wundert es nicht, dass sich unser meist in der Komfort-Plus-Einstellung pilotierter Straßenjet mit optionalem „Executive Drive Pro“-Fahrwerk (2.478 Euro; alle Preise netto zzgl. USt.) mit 7,5 Litern begnügt hat. So erwartet den Fahrer sanftes Gleiten, denn das adaptive Fahrwerk nivelliert die rollende Luxuslounge und liest unter anderem auch per GPS die Strecke, um die Dämpfung anzupassen. Dadurch dringen Schläge erst bei sehr schlecht ausgebauten Straßen überhaupt zu den Insassen durch. Im Sportmodus geht es etwas aktiver und direkter zu, aber selbst in der härteren Gangart behält der Münchener seine Manieren.

Die Hinterachslenkung macht den 7er beweglich

Um diesen Eindruck noch zu steigern hat BMW dem 7er auch seine Schwerfälligkeit aberzogen. Der elektronisch gesteuerte Allradantrieb X-Drive sowie eine Hinterachslenkung verwandeln unseren 730d zusammen mit einem variablen Lenkgetriebe in ein präzises Großkaliber, das wie ein Kugelblitz um die Ecke fegt. Das direkte Lenkgefühl verwischt dabei teils in der variabel übersetzten Servolenkung (Integral-Aktivlenkung: 1.218 Euro), die das Wunder überhaupt erst ermöglicht. Ob authentisch und schwerfällig oder gekünstelt und direkt bleibt eine Geschmacksfrage, aber es funktioniert vorzüglich.

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Rollendes Wohnzimmer mit Bedienung

Fahren kann er also. Jetzt muss er sitzen: Mit zamorabeigen Komfortsesseln (Polster: 1.230 Euro; Komfortsitze: 1.848 Euro), die beheizen, belüften, massieren und die Wirbel richtig rücken, geht BMW ins Rennen um die Kilometerkrone. Für die sportliche Kurvenfahrt können die Seitenwagen (auch automatisch nach Fahrprogramm) elektrisch verstellt werden und greifen dann fester zu. Ganz entspannt sind die Sessel dennoch nicht, die Kopflehne lässt sich nämlich nicht nach vorne stellen. Bei solchen Luxusproblemen kann man sich als 7er-Fahrer seit Neuestem vertrauensvoll an die selbst lernende Assistentin im Infotainmentsystem wenden. „Hallo BMW. Ich bin gestresst“, hört man sich plötzlich sagen und wird im Nu mit einem Relaxprogramm inklusive Entspannungsmusik, Massage und Sitzheizung verwöhnt. Manche Sprachbarriere löst sich mit der Zeit auf, denn die Sprachbedienung lernt stetig dazu.

Ein BMW, der den Fahrer versteht

Die intuitive Sprachbedienung übernimmt im Prinzip jede Aufgabe, für die man die Hände bewegen müsste (was per Gesten-Steuerung ebenfalls möglich ist). Sie stellt Radiosender ein, passt das Raumklima an, ändert die Beleuchtungsfarben und lässt sich auch auf ein Schwätzchen ein: „Was hältst du eigentlich von Mercedes?“. Die Roboterfrau aus dem Armaturenbrett antwortet: „Oh, die bauen ganz wunderbare Autos. Aber hier haben wir beide doch die größte Freude am Fahren“. Vielleicht hat sie Recht. Zumindest wenn das M-Sportpaket mit dem Interieurdesign „Pure Excellence“ (5.042 Euro) angekreuzt wurde und das Armaturenbrett sich in Leder hüllt (1.218 Euro).

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Autonomes Fahren schafft ICE-Atmosphäre

Zum Fahren gehören seit einigen Jahren auch die Assistenten in Lenkrad, Bremse und Motor. Teilautonomes Gleiten ist im 7er wie im Schnellzug möglich, der Spurhalteassistent und der Abstandstempomat werden von einer Verkehrszeichenerkennung, einem Notbremsassistenten und einem Stauassistenten zuverlässig unterstützt. Etappenweise muss der Fahrer des Münchener Promitaxis nur die Hand am Lenkrad halten und darf zusehen wie der BMW sich um alles kümmert. Kurz vor einer möglicherweise verpassten Autobahnabfahrt bremst der Bayer sogar selbsttätig herunter.

Parken sogar per Fernbedienung

Vermutlich für vollautomatische Parkhäuser gedacht, bringt BMW auch eine Weltneuheit in den Markenprimus: Wie „Q“ im Film „James Bond: Golden Eye“ steuert der Fahrer per Touchscreen auf dem Fahrzeugschlüssel seinen 7er vor und zurück – solange er sich etwa zwei Meter um das Fahrzeug befindet. Kollisionen beugt die rollende Business Class durch ein umfangreiches System bestehend aus 3D-Kameras und Sensorik vor. Im Bildschirm des Infotainmentsystems wird der Parkvorgang mit Metadaten angereichert und ermöglicht ein realitätsnahes Abschätzen der Distanz zu Objekten in der Umgebung.

Information auf allen Ebenen

Im Cockpit steckt Hightech: Allein der digitale Tacho nimmt 12,3 Zoll an Fläche ein und lässt sich nach Belieben auf die gewünschten Daten und Ansichten einstellen. Etwas nach oben versetzt steht nebenan ein 10,25-Zoll-Touchscreen bereit, in dem das neueste Betriebssystem 7.0 der Bayern informiert und lernt. Hier lassen unzählige Fahrzeugfunktionen und Konfigurationen auch in der Tiefe verstellen, sodass unzählige Kombinationen aus Assistenten und Komfortoptionen entstehen können. Die Navigationskarte verfolgt den Fahrer zum Beispiel vom Infotainment-Bildschirm über das virtuelle Cockpit bis ins Head-Up-Display.

Das Kreuz beim Innovationspaket lohnt sich

Hinzu kommt mit dem Innovationspaket (3.025 Euro) das LED-Laserlicht mit automatischem Fernlichtassistenten, das die Fahrbahn zuverlässig situationsabhängig in Zonen eingeteilt ausleuchtet. Der Fahrer hat durch das Paket beim Infotainment-System die Wahl es durch Sprache, Gesten, den iDrive-Regler oder per Finger zu steuern. Im Head-up-Display werden zudem wichtige Abfahrten im Detail angezeigt. Besser kann man es seiner Kundschaft kaum recht machen. Vorsicht ist jedoch beim Datenschutz geboten: In unserem 730d X-Drive waren trotz Pressefahrzeug im Einstellungsmenü alle Häkchen bei der Übermittlung von Online-Daten gesetzt.

Fazit:

Der 730d ist eine Reiselimousine durch und durch. Der verbesserte Geräuschkomfort und das adaptive Fahrwerk stehen dem Markenflaggschiff gut. Die Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln und der durchgehende LED-Streifen am Heck machen ihn international und chic, der Riesengrill kündigt den Vorstand schon von weitem an.

Mit modernen Assistenzsystemen ausgerüstet kann sich der BMW als kluger Langstreckenpartner beweisen und bietet einen schön gestalteten und verarbeiteten Innenraum mit hervorragendem Bedienkonzept. Diese Vorzüge werden kombiniert mit kräftigem Antritt und geringem Verbrauch. Doch das Reisen im Flaggschiff hat seinen Preis: Mit 77.142 Euro Einstiegspreis ist man noch gut 25.000 Euro von unserem Testwagen entfernt – und der hat noch viel Luft bis zur Vollausstattung.

Daten BMW 730d x-Drive

Maße (L x B x H) in Meter: 5,12 x 1,90 x 1,47

Motor: 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbodiesel, Diesel-Direkteinspritzung

Kraftübertragung: ZF-Acht-Stufen-Wandlerautomatik, x-Drive

Leistung: 265 PS (195 kW)

Max. Drehmoment: 640 Nm bei 2000 U/min

Beschleunigung 0-100 km/h: 5,8 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Verbrauch: 7,5 Liter Diesel

Gewicht: 1955 kg

Zuladung: 680 kg

Tankinhalt: 78 kg

Preis: ab 77.142 Euro

Preis: 102.252 Euro

*Preise: Stand Februar 2019.

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