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Auto

Reifenpanne: Dichtmittel oder Ersatzrad?

Im Falle einer Reifenpanne steht oft nur noch ein Dichtmittel zur Verfügung. Was ist eigentlich aus dem Reserverad geworden?

Inhaltsverzeichnis

Elfriede Munsch

Auf einen Blick:

  • Statistisch hat ein Autofahrer alle 150.000 Kilometer einen Reifenschaden
  • Oft sind nur noch Reifenreparatursets im Dienstwagen
  • Nicht alle Hersteller bieten auch gegen Aufpreis Ersatz- oder Noträder an
  • Flottenmanager gehen eher entspannt mit dem Thema um

Statistisch gesehen hat ein Autofahrer alle 150.000 Kilometer eine Reifenpanne. Das bedeutet für einen Privatfahrer mit einer fahrerischen Durchschnitts-Jahresleistung von rund 15.000 Kilometer, dass er alle zehn Jahre wegen eines Reifenproblems liegen bleibt. Vielfahrende Außendienstler dürfte es demnach alle drei oder sogar zwei Jahre treffen. Aber Statistiken sind das eine, Pannen das andere. Was also tun, wenn es einen erwischt und der Reifen unterwegs zu einem wichtigen Termin schlapp macht? Wer jetzt zum Ersatzrad oder dem Notrad greifen will, wird vermutlich eine Überraschung erleben.

Hand aufs Herz: Wer hat in den vergangenen zwölf Monaten den Kofferraumboden seines Fahrzeugs angehoben? Oder wer weiß, was sich dort befindet? Ersatzrad, Notlaufrad oder ein Pannenset? Oder gar nichts? Der Gesetzgeber schreibt übrigens keine Reifenpannen-Hilfe vor. Weder Ersatzrad, Notlaufrad oder Reparaturset müssen verpflichtend an Bord sein.

Was ist an Bord des Dienstwagens?

Die Zeiten, in denen standardmäßig ein vollwertiges Ersatzrad samt Wagenheber an Bord war, sind lange vorbei. Die Anforderungen an Gewichtsreduzierungen sowie die dadurch einhergehende CO2- und damit Spritersparnis haben dafür gesorgt, dass das fünfte Rad im Wagen kaum noch anzutreffen ist. Selbst ein handlicherer und leichterer Notlaufreifen ist heute eher die Ausnahme. Durchgesetzt haben sich dagegen die platzsparenden Reparatursets, also Reifendichtmittel.

So verfügen die wichtigsten flottenrelevanten Fahrzeuge in Deutschland ab Werk nur noch über ein Reifenreparaturset. Audi rüstet seine Modelle A3, A4 und A6 serienmäßig mit einem solchen Set aus. Optional stehen für die Fahrzeuge platzsparende Ersatzräder oder wie bei den Allroad-Modellen von A4 und A6 ein faltbares Reservefaltrad zur Wahl. Hier gehört ein Kompressor zum Lieferumfang. Skoda stattet alle Fahrzeuge serienmäßig ab Werk mit einem Reifenmobilitätsset aus. Ein vollwertiges Reserverad ist bei allen Modellen gegen Aufpreis erhältlich.

Welche Modelle bieten was?

Bei der Konzernmutter VW werden Passat Variant, Passat, Golf Variant, Golf, Polo, Touran, Up ab Werk ebenfalls mit einem Reifenmobilitätsset ausgeliefert. Modellabhängig sind ein Notrad oder ein vollwertiges Ersatzrad optional verfügbar. Letzteres ist identisch mit den bestellten Sommerrädern, wird also auf derselben Alu- oder Stahlfelge geliefert. Ein Wagenheber gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Bei einigen Ausstattungsvarianten ist allerdings kein Platz für ein vollwertiges Ersatzrad vorhanden, so zum Beispiel beim Touran mit dritter Sitzreihe.

BMW setzt bei seinen Business-Modellen in der Regel auf Runflat-Reifen, also Pneus mit Notlaufeigenschaften. Bei Reifen ohne Runflat-Technologie kann das Reifen-Reparaturset ergänzend dazu geordert werden. Das Set besteht aus einem Kompressor, Reifendichtgel, Handschuhen und verschiedenen Ventiladaptern. Die Befestigung ist an den vorhandenen Verzurrösen im Gepäckraum möglich. Viele Fahrzeuge wie der X1, X5 oder der Fünfer bieten darüber hinaus die Möglichkeit, ein Notrad ab Werk mit zu bestellen und in der vorbereiteten Mulde zu verstauen.

Mercedes bietet für seine flottenrelevanten Fahrzeugen Reparaturset oder Reifen mit Notlaufeigenschaften ab Werk an. Ein Notrad, welches zusätzliches Gewicht- und damit Kraftstoffverbrauch bedeutet, wird nicht mehr angeboten. Ersatzräder sind über den Mercedes-Benz Handel erhältlich. Kofferraummulden für ein Ersatzrad sind in den meisten Fahrzeugen mit dem Stern nicht mehr vorhanden.

Wie gehen Fuhrparkmanager mit dem Thema um?

Eindeutig: Die Autohersteller setzen auf das Reparaturset, sicherlich auch aus Kostengründen. Aber wie gehen die Flotten- und Fuhrparkmanager mit dem Thema Reifenpanne um? Erstaunlich gelassen, wie eine Online-Befragung unter den bfp-Lesern zeigen. Je nach Streckenprofil der eingesetzten Fahrzeuge werden vollwertige Ersatzräder dazu geordert oder zumindest auf ein Notlaufrad geachtet. Von dem Nutzen von Dichtmitteln ist dagegen eigentlich niemand so recht überzeugt.

Aber: Die Beschäftigung mit dem Thema Reifenpanne steht bei den meisten Befragten nicht wirklich im Vordergrund. Keine Horrorszenarien von nächtlichen Pannen auf einsamen Straßen wurden skizziert. Auch wurden keine Probleme mit der Beschaffung von ungewöhnlichen Reifengrößen oder der Ärger um verpasste Termine thematisiert. Über die Kosten für den Reifenwechsel samt Ausfallzeit der Mitarbeiter hat sich auch kaum jemand geäußert.

Was schützt vor Reifenpannen?

Gründe für die entspannte Haltung bezüglich Reifenpannen dürften sein, dass Fuhrparks in der Regel auf gute Reifenqualität achten. Aufgrund der hohen Fahrleistungen gibt es auch regelmäßig neue Reifen für die Fuhrparks. RDKS an Bord hilft sicherlich auch, dass Luftdruckunregelmäßigkeiten schneller erkannt und behoben werden. Reifen mit korrektem Luftdruck halten einfach länger. Und für den Fall der Fälle gibt es noch das Smartphone. Damit lässt sich der Automobilclub oder die Werkstatt des Vertrauens anrufen.

Kleine Begriffskunde

Ersatzrad: Das vollwertige Ersatzrad gehörte einst wie der Aschenbecher und Zigarettenanzünder ganz selbstverständlich zum Auto und ermöglichte im Idealfall bei einer Reifenpanne uneingeschränkte Mobilität – sofern der Autofahrer über handwerkliches Geschick und Ausdauer verfügte. Aber ähnlich wie der Griff zur Zigarette seltener wird, geht der Trend schon lange weg von dieser Errungenschaft aus den Anfängen der motorisierten Mobilität. Zumal das Handling bei einer Panne – besonders wenn es sich um große und damit schwere Reifendimensionen handelt – nicht jedermanns Sache ist. Ist ein direkt messendes RDKS-System an Bord, muss der Fahrer mit dem eingewechselten Ersatzrad zur Werkstatt fahren, um die Sensoren in die Reifendrucküberwachung einbinden zu lassen.

Notlaufrad: Wie der Name schon sagt, handelt es hierbei um keinen vollwertigen Reifen. Notlaufräder fallen deutlich schmaler aus. Der Vorteil: Ein Notlaufrad nimmt weniger Platz ein und ist auch leichter. Es kann aber nur eingeschränkt genutzt werden. Damit sollte nicht schneller als 80 km/h gefahren und am besten auch zügig die nächste Werkstatt angesteuert werden, um einen „richtigen“ Reifen aufziehen zu lassen.

Reifen-Reparaturset: Ein Reifen-Reparaturset besteht aus einem Dichtmittel und einem Kompressor. Ein solches Set ist handlich und leicht. Die Bedienung ist aber nicht immer einfach. Nicht immer gelingt es, die Dichtmasse ins Innere des Reifens zu bringen ohne sich dabei selbst mit der klebrigen Masse zu kontaminieren. Außerdem eignet sich ein solches System nur um kleine Schäden wie beispielsweise die Verletzung durch einen eingefahrenen Nagel bis zu einer Größe von bis zu 6 Millimeter abzudichten. Größere Schäden wie Risse in der Reifenflanke können mit dem Dichtmittel nicht behoben werden.

Runflat: Runflat-Reifen verfügen über verstärkte Seitenwände. Diese ermöglichen auch bei einem kompletten Luftverlust die Weiterfahrt für rund 80 Kilometer bei Geschwindigkeiten bis 80 km/h. Diese Pneus sind aber teurer und schwerer als herkömmliche Reifen. Sind Runflat ab Werk aufgezogen, sind normalerweise weder Ersatzrad noch Reparaturset an Bord.

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