Foto: Daimler AG

bfp-Interview

Daimler: "Plug-in-Hybrid ist in der Flotte angekommen"

Frank Kemmerer, Flottenkundenchef bei Daimler, über die Elektrifizierung der Modellpalette und die Innovationen der neuen S-Klasse.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Frank Kemmerer, Leiter Flottenmanagement Mercedes-Benz Pkw und Smart, erläutert im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT, welche Rolle elektrifizierte Fahrzeuge kurzfristig in der Daimler-Modellpalette spielen und welchen USP die neue S-Klasse mitbringt.

Mehr rein elektrische Fahrzeuge bei Mercedes-Benz

bfp: Herr Kemmerer, wie richten Sie die Groß- und Gewerbekundenstrategie Daimlers künftig vor dem Hintergrund der sich immer wieder verändernden Marktbedingungen aus?

Frank Kemmerer: Ein wichtiger Baustein unserer Strategie ist die Elektrifizierung aller unserer Baureihen. Dieser Baustein beinhaltet die EQ Boost genannten Mild-Hybride mit 48-Volt-Startergenerator, die Plug-in-Hybride mit dem Namen EQ Power und die vollelektrischen EQ-Modelle. Die aktuellsten Beispiele für die Plug-in-Hybride sind unsere Kompaktmodelle und die modellgepflegte E-Klasse. Aber damit ist diese Modelloffensive natürlich bei weitem noch nicht zu Ende. Ein Beispiel für einen neuen Plug-in-Hybrid ist die neue S-Klasse, die wir erst vor kurzem präsentiert haben. In 2021 folgt die vollelektrische Luxuslimousine EQS mit einer Reichweite von über 700 km. Auch im Kompaktwagensegment werden wir mit EQA und EQB in 2021 attraktive Produkte anbieten. Damit erweitern wir unser Angebot an reinelektrischen Fahrzeugen und bieten neben dem EQC im SUV-Segment und der Großraulimousine EQV auch im Kompakt- und im Luxussegment je ein lokal emissionsfreies Modell an. Bis 2022 werden wir das gesamte Mercedes-Benz-Cars-Portfolio elektrifizieren. Das bedeutet, dass wir unseren Kunden in jedem Segment verschiedene elektrifizierte Alternativen anbieten werden.

bfp: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Ihren Plug-in-Hybriden?

F. Kemmerer: Unsere Plug-in-Hybride stoßen auf eine immer größere Nachfrage. Und zwar vor allem im Groß- und Gewerbekundengeschäft. Der Plug-in-Hybrid ist in der Flotte zu 100 Prozent angekommen.

bfp: Und welche Resonanz verspüren Sie bei Groß- und Flottenkunden derzeit auf den EQC?

F. Kemmerer: Vor allem bei den kleineren Flotten ist das Interesse am EQC groß. Dort wird der EQC in erster Linie als Geschäftsführungs-Fahrzeug eingesetzt. Bei den größeren Flotten hängt die Nachfrage vor allem davon ab, welchen Stellenwert das Thema Nachhaltigkeit im jeweiligen Unternehmen einnimmt. Außerdem spielt in dieser Zielgruppe auch die hohe Leistung des Fahrzeugs, das ja immerhin als EQC 400 angeboten wird, eine Rolle bei der Akzeptanz. Das Fahrzeug richtet sich daher auch eher an höhere Hierarchieebenen.

bfp: Werden Ihre neuen rein elektrischen EQ-Modelle wie im Falle des EQC weiterhin komplett eigenständige Karosserien erhalten?

F. Kemmerer: Mit dem EQC und dem EQV haben wir derzeit zwei rein elektrische Fahrzeuge mit Stern im Angebot. Den EQC mit komplett eigenständiger Karossiere, den EQV mit der Karosserie der V-Klasse. Zu den künftigen EQ-Modellen kann ich Ihnen an dieser Stelle noch nichts sagen. Seien Sie aber sicher, dass auch alle unsere EQ-Modelle eindeutig als Mercedes-Benz erkennbar sein werden.

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Anpassung der Car Policies an die E-Mobilität

bfp: Welche Herangehensweise an das Thema E-Mobilität beobachten Sie bei Ihren Kunden? Und wie begleiten Sie Ihre Kunden dabei?

F. Kemmerer: Das ist eine sehr gute Frage, denn das Thema E-Mobilität ist eines, das die Unternehmen, die Fuhrparkmanager oder die Personalabteilungen derzeit extrem beschäftigt. Sie alle arbeiten aktuell daran, die Car Policies auf das aktuelle Angebot anzupassen. Und da geht es nicht nur darum, nach Hierarchie zu unterscheiden, sondern vor allem nach Fahrprofilen. Erst dann lässt sich die Frage beantworten, ob ein EQ-Boost-, ein EQ-Power- oder ein reinelektrisches EQ-Modell sinnvoll ist. Wir unterstützen unsere Kunden dabei mit vielen Angeboten und Instrumenten. Ein Beispiel ist unsere „EQ Ready“-App, die Fahrprofile erkennt und abbildet. Auf dieser Basis lässt sich die Antriebsentscheidung deutlich leichter fällen. Aber natürlich beraten wir unsere Kunden auch persönlich, eben auch bei der Erstellung einer geeigneten Car Policy.

Ein Gespür dafür, ob ein Elektroauto in der eigenen Flotte auch finanzielle Vorteile gegenüber einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bringt, bekommen Flottenmanager mit dem webbasierten TCO-Simulator von Athlon, unserem Flottenmanagement-Anbieter. Mit einem Partnernetzwerk baut Athlon sowohl am Firmenstandort als auch beim Mitarbeiter zu Hause die nötige Ladeinfrastruktur auf und bietet darüber hinaus ein einheitliches Abrechnungsmodell an.

bfp: Unterstützen Sie Ihre Kunden auch beim Aufbau einer eigenen professionellen Ladeinfrastruktur?

F. Kemmerer: Mit Blick auf die Ladeinfrastruktur können wir unseren Flottenkunden gemeinsam mit unserem Partner Newmotion eine Alles-aus-einer-Hand-Lösung anbieten. Dort erfolgen Beratung und Umsetzung mit ausschließlich intelligenten Wallboxen inklusive abgestimmtem Lastenmanagement aus einer Hand.

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Mehr Services für richtige PHEV-Nutzung

bfp: Geben Sie Ihren Kunden Instrumente an die Hand, um Plug-in-Hybride richtig zu nutzen?

F. Kemmerer: Momentan entwickeln wir im Rahmen von "Connect Business", unserer Konnektivitätslösung für gewerbliche Kunden, weitere Dienste für Plug-in-Hybride. Im "Connect Business"-Portal können Fuhrparkverantwortliche dann unter anderem die Ladehäufigkeit von Fahrzeugen überprüfen. Zusätzlich bietet das Portal einen Einblick in die Fahrzeugnutzung, das heißt man sieht den Anteil der Nutzung von Elektro- versus Verbrennungsmotor und die täglich gefahrenen Kilometer. Verschiedene Reportings machen diese Daten transparent und unterstützen bei der Kostenoptimierung im Fuhrpark, beispielsweise kann man erkennen, ob das Fahrprofil zum Fahrzeug passt.

bfp: Sie sind derzeit der einzige Hersteller, der auf Diesel-Plug-in-Hybride setzt. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile?

F. Kemmerer: Wir glauben, dass die Kombination von Elektro- und Diesel-Antrieb vor allem in den höheren Fahrzeugklassen eine sehr sinnvolle Kombination ist. Sie werden häufig auch auf Langstrecken eingesetzt, wo im Verbrenner-Modus der Diesel weiterhin seine Effizienz-Vorteile ausspielen kann.

bfp: Mit GLA und GLB haben Sie jetzt zwei Kompakt-SUVs im Angebot. Wie differenzieren Sie das Angebot?

F. Kemmerer: Mit dem GLB bieten wir unseren Kunden eine SUV-Alternative mit noch mehr Raumangebot. Zwar ist auch der neue GLA deutlich geräumiger als sein Vorgänger, nur im GLB besteht aber die Option auf sieben Sitze.

bfp: Sie haben soeben die E-Klasse renoviert. Was sind die wichtigsten Neuerungen?

F. Kemmerer: Die E-Klasse ist ein ganz wichtiges Fahrzeug für uns. Mit der aktuellen Überarbeitung ist sie optisch noch mehr als modernes Mitglied unserer aktuellen Modellpalette erkennbar. Technische Highlights sind unter anderem das Connectivity-System MBUX, was für "Mercedes-Benz User Experience" steht, die neue Lenkradgeneration mit kapazitativer Hands-Off-Erkennung und noch mehr Komfort durch unsere Energizing-Funktionen. Zudem bieten wir zukünftig sieben Plug-in-Hybride als Limousine und T-Modell, Benziner und Diesel, mit Heck- und Allradantrieb an.

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S-Klasse: "Setzt neue Maßstäbe in der Luxusklasse"

bfp: Dieses Jahr steht mit der S-Klasse auch die neue Generation Ihres Flaggschiffs S-Klasse an. Was sind die Highlights?

F. Kemmerer: Die neue S-Klasse ist das Herz der Marke Mercedes-Benz und setzt neue Maßstäbe in der Luxusklasse. Hier treffen legendäre Ingenieurskunst und handwerkliche Exzellenz auf digitale Innovation. In der neuen S-Klasse geht die zweite Generation von MBUX an den Start. Wieder ein Meilenstein als Schnittstelle zwischen Fahrer, Passagieren und Fahrzeug: Bis zu fünf Bildschirme, zum Teil mit OLED-Technologie, sind an Bord. Das neue 3D-Fahrer-Display ermöglicht auf Knopfdruck erstmals eine räumliche Szenenwahrnehmung mit echter Tiefenwirkung durch Eye-Tracking. Beeindruckend ist ebenso das sehr große Head-up-Display mit Augmented-Reality-Inhalten. Bei der Navigation werden beispielsweise animierte Abbiegepfeile virtuell und passgenau über die Fahrbahn gelegt. Die neueste Generation des serienmäßigen Fahrassistenz-Pakets enthält neue und zahlreiche weiterentwickelte Funktionen. Als weitere Innovation bekommt die S-Klasse einen Fondairbag der bei schweren Frontalkollisionen die Fondpassagiere schützt. Mein Highlight ist die neue Hinterachslenkung. Damit fühlt sich die S-Klasse in der Stadt so handlich an wie ein Kompaktwagen, da sich der Wendekreis um bis zu zwei Meter reduziert.

bfp: Die Fahrzeuge der Marke Smart gibt es ausschließlich noch elektrisch. Wer sind die Zielgruppen im Großkundengeschäft?

F. Kemmerer: Die Einsatzmöglichkeiten der Smart-Modelle sind vielfältig. Wir haben viele auch kleinere und mittlere Unternehmen als Kunden, die einen Smart im Rahmen von Gehaltsumwandlungsmodellen zur Mitarbeitermotivation einsetzen. Generell sind Smart Fortwo und Smart Forfour immer noch Modelle, die auf der Straße Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die dementsprechend mit Botschaften versehen auch gerne zu Marketingzwecken verwendet werden.

bfp: Mit welchen Mercedes-Benz-Neuheiten können wir 2021 rechnen?

F. Kemmerer: Mit dem EQS, EQA und EQB werden wir 2021 unsere EQ-Reihe erweitern. Und natürlich werden wir das Angebot an S-Klasse-Varianten im ersten vollen Verkaufsjahr der neuen Generation sukzessive ergänzen. Und ganz besonders freue ich mich auf die neue C-Klasse.

bfp: Herr Kemmerer, herzlichen Dank für das Gespräch.

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