Foto: Goodyear

Reifen

Mit Sensoren wird der Reifen klug

Reifendrucksensoren machen Reifen intelligent. Über RDKS sammelt er viele Informationen – und kann sie bald auch weitergeben.

Auf einen Blick:

  • Reifen werden dank Sensortechnik immer intelligenter
  • Fuhrparkleiter können bald von den Daten profitieren
  • Auch die Fahrer können Daten erhalten
  • Die Technik könnte in vier bis fünf Jahren serienreif sein

von Elfriede Munsch

Fast lautlos fährt das selbstfahrende Fahrzeug vor. Dank kugelrunder, in alle Richtungen manövrierender Reifen ist es extrem wendig und benötigt daher zum Beispiel beim Ein- und Ausparken nur wenig Platz. Doch die Reifen fallen nicht nur durch ihre Form auf. Sie verfügen über eine bionische Außenhaut und eine veränderungsfähige Lauffläche, die sich den Witterungsverhältnissen anpasst.

Über die Außenhaut, die von einem Netzwerk von Reifensensoren durchzogen ist, sammelt der Reifen zudem Informationen. Er registriert in Echtzeit Straßenbedingungen, Wetterverhältnisse, Verkehrsfluss oder auch den Zustand des Fahrzeugs. Außerdem empfängt er Daten von anderen Fahrzeugen und ist aktiver Teil von Verkehrs- und Mobilitätsmanagementsystemen. Entsprechend kann der Reifen selbständig im Verkehrsalltag Entscheidungen treffen und zum Beispiel bei Blitzeis das Tempo des Fahrzeugs drosseln lassen.

Wann kommt der intelligente Reifen?

Zukunftsmusik? Ja! Bis zur einer möglichen Serienreife wird noch viel Kautschuk geerntet. Aber solche Reifen-Konzeptideen wie der auf dem diesjährigen Genfer Autosalon gezeigte Goodyear Eagle 360 Urban zeigen, dass dem Reifen als Datensammler eine wichtige Rolle in einer vernetzten Mobilitätswelt zufallen wird.

Nicht dass sie nicht heute schon in eben dieser Funktion unterwegs wären. Allerdings sind bislang überwiegend die Reifen von Lkw und Bussen mit Fuhrparkleitern oder Mobilitätsdienstleistern vernetzt. Hier gehören heute schon mittels Sensoren in Echtzeit überwachte Reifen (Luftdruck, Temperatur, Reifenprofil, Zustand) zum Fuhrparkalltag. Fahrzeug- und Reifenhersteller sowie Dienstleister bieten Softwarelösungen, um diese relevanten Reifendaten Fuhrparkleitern zu übermitteln.

Wo liegen die Vorteile?

Die Vorteile sind klar: Nicht nur der Fahrer erhält die Informationen über einen möglichen Druckverlust, sondern diese Info geht gleichzeitig auch an die Fuhrparkleiter. Mögliche Schäden durch falschen Reifendruck lassen sich früher erkennen, abgenutzte oder beschädigte Reifen werden so rechtzeitig ausgetauscht, bevor es zu einem Reifenpatzer kommen kann. Durch die Überwachung des korrekten Luftdrucks halten die Reifen länger, zudem wirken sich korrekt befüllte Pneus positiv auf den Treibstoffverbrauch einer Flotte aus. Nebenbei steht noch der Fahr- und Bremsstil des Fahrers unter Beobachtung.

Da mittlerweile auch (neue) Pkw mit einem Reifendruck-Überwachungssystem (RDKS) ausgerüstet sein müssen, lassen sich solche Dienstleistungsangebote ebenfalls auf Pkw-Flotten ausweiten – zumindest dann, wenn ein direkt messendes System mit Sensoren am Reifen zum Einsatz kommt. Der Zulieferer Continental hat zum Beispiel seine so genannten eTIS- (electronic-Tire Information System)-Module in der Pipeline. Reifen können so zentral überwacht und gewartet werden.

Welche Daten werden übermittelt?

Mittels der fahrzeugseitigen intelligenten Antennenmodule oder anderen externer Netzanbindungen lassen sich die gesammelten Reifeninformationen für den Flottenbetreiber zur Verfügung stellen. So ist eine Reifen-Identifikation mit reifenspezifischen Informationen auf einen Blick für Fahrer und Flottenmanager möglich. Dazu zählen unter anderem eine Beladungserkennung zur Anpassung des Reifendrucks sowie eine Profiltiefenerkennung. Angedacht ist zudem, dass die so ausgestatteten Reifen zukünftig mit anderen Pkw oder auch Infrastrukturen kommunizieren und zum Beispiel ihre gesammelten Infos über Straßenbedingungen austauschen.

Gibt es bereits Produkte?

In diese Richtung geht auch die Goodyear-Studie Intelli-Grip Urban, die in vier bis fünf Jahren auf den Markt kommen könnte. Die Sensortechnologie dieses Reifens unterstützt die Kontrollsysteme in autonomen Fahrzeugen, indem er Informationen zur Fahrbahnbeschaffenheit und zu den Witterungsbedingungen generiert und ans Fahrzeugmanagement weitergibt. Der Intelli-Grip Urban soll es zudem Flottenbetreibern ermöglichen, ihre Fahrzeuge und Reifen in Echtzeit zu beobachten.

Bereits Ende des Jahres startet Pirelli hier zu Lande seine digitale Plattform Connesso, die vor drohenden Pannen und abgefahrenem Profil warnen soll. Sie kommt zunächst in den P-Zero- und Winter-Sottozero-Reifen in den Größen ab 19 Zoll auf den Markt. Mittelfristig sollen aber auch andere Reifenlinien des italienischen Reifenherstellers damit verfügbar sein.

Welche Infos bekommt der Fahrer?

Autofahrer können den Zustand ihrer Reifen künftig per App überprüfen. Kernstück ist ein in jeden Reifen integrierter Sensor, der Daten zu Luftdruck, Temperatur und Belastung sammelt. Die Informationen werden an einen zentralen Server geleitet, von wo sie der Fahrer per Smartphone-App abrufen kann. Zudem warnt das Programm bei Druckverlust im Pneu, erinnert an den saisonalen Reifenwechsel und errechnet aus der Radumdrehung den Reifenabrieb. Das System ist auch während der Standzeiten eines Fahrzeugs aktiv. In einer weiteren Ausbaustufe kann das System zudem die geschätzte Restlaufzeit des Reifens in Kilometern angeben und falls nötig für Ersatz eines abgefahrenen Reifens anmahnen oder den Austausch in einer nahe gelegenen Werkstatt veranlassen.

Der Reifen als Datensammler der Zukunft?

Fast lautlos fährt das selbstfahrende Fahrzeug vor. Dank kugelrunder, in alle Richtungen manövrierender Reifen ist es extrem wendig und benötigt daher beim Ein- und Ausparken nur wenig Platz. Doch die Reifen fallen nicht nur durch ihre Form auf. Sie verfügen über eine bionische Außenhaut und eine veränderungsfähige Lauffläche, die sich den Witterungsverhältnissen anpasst.

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