Foto: Annika Maria Behnen - Total

Interview

Total: "Einheitliche Abrechnung verschiedener Services"

André Courteille und André Wolf von Total sind davon überzeugt, dass sich Tankkarten künftig noch stärker zu integrierten Mobilitätskarten entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Tankkarten können schon heute mehr als nur Kraftstoff abrechnen. Die Bezahlung vieler weiterer Services ist integrierbar und je nach Konfiguration liefern Tankkarten die Basis für detaillierte Fuhrpark-Reportings. Wohin die Reise der Tankkarte in Zukunft geht, erörterte bfp fuhrpark & management mit André Courteille, Leiter Tankkarten bei Total Deutschland, und André Wolf, Leiter Tankkarten Vertrieb bei Total Deutschland.

bfp: Welche Tankkarten-Produkte bieten Sie Ihren Kunden aktuell?

André Courteille: Unser Produktangebot besteht derzeit aus der "Total Card Lokal" für die Nutzung im regionalen Umfeld und der "Total Eurotrafic Card", die in fast allen europäischen Ländern an 18.000 Akzeptanzstellen einsetzbar ist, darunter auch an Tankstellen von unseren Kooperationspartnern. Dabei bieten wir für die "Total Card Lokal" standardisierte wie auch maßgeschneiderte Angebote an. Die "Total Eurotrafic Card" fußt aufgrund der vielfältigen Einsatzzwecke der Kunden generell auf einem individuellen Konzept.

Individuelle Tankkarten-Konfiguration

bfp: In welchem Maße können Sie die Angebote individualisieren?

A. Courteille: Da gibt es verschiedene Parameter. Wir sprechen mit den Kunden zum Beispiel über Nachlässe, über die Abrechnung von Mautgebühren, über ein Dienstleistungsangebot à la carte. Es gibt ein großes Spektrum an Individualisierungsmöglichkeiten.

bfp: Wie lokal ist "Lokal" in diesem Fall?

A. Courteille: Auch das hängt von dem individuellen Wunsch eines Kunden ab. Wir können die Nutzung beziehungsweise den Nachlass der "Total Card Lokal" zum Beispiel auf eine bestimmte Tankstelle in einem bestimmten Ort beschränken.

bfp: Wie unterscheiden sich die jeweiligen Standardprodukte voneinander?

A. Courteille: Die Unterschiede liegen unter anderem in der Nachlass- und Gebührenhöhe oder darin, ob sie auch von unseren Partnern akzeptiert werden oder nicht.

Keine Mindestfuhrparkgröße oder -abnahmemenge bei Total

bfp: Ab welcher Fuhrparkgröße und welchem Treibstoffabsatz bieten Sie Ihre Tankkarten an?

A. Courteille: Wir haben für unser Tankkartenangebot keinerlei Untergrenze definiert. Wir sehen auch keinen Sinn darin, bestimmte Kundengruppen auszuschließen. Warum auch? Wenn wir eine Tankstelle vor Ort betreiben, möchten wir auch die Kunden vor Ort erreichen. Wir sind mittelständisch ausgerichtet und das leben wir auch in der Praxis.

André Wolf: Wie Herr Courteille sagt, für uns gibt es keinen Grund, bestimmte Kunden nicht zu bedienen. Aber natürlich sprechen wir unterschiedlich große Kunden unterschiedlich an. Mit Großkunden verhandeln wir sicherlich individueller als mit kleineren Abnehmern.

A. Courteille: Wir gehen mit der "Total Card for You" sogar noch einen Schritt weiter und sprechen Privatkunden an. Wenn von unseren Unternehmenskunden gewünscht, erhalten deren Mitarbeiter im Rahmen dieses Angebots eine Total-Tankkarte zur privaten Nutzung und profitieren so von den ausgehandelten Nachlässen. Damit geben wir unseren Kunden ein zusätzliches Instrument zur Mitarbeiterbindung an die Hand.

bfp: Wie teilen sich ihre Kunden in kleinere und größere Fuhrparks auf?

A. Wolf: Unser Kundenportfolio spiegelt die Marktrealität wider: Bei uns machen kleinere Fuhrparks den Großteil unserer Kunden aus. Dem gegenüber steht, spiegelbildlich, unser Tankkarten-Kundenservice. Größere Kunden sprechen wir direkt mit unserem Außendienst vor Ort an, für kleinere und mittelgroße Bedarfe stehen bei uns in Berlin telefonisch weitere Service-Mitarbeiter Rede und Antwort. Parallel dazu steht – ebenfalls vor Ort in Berlin – unser allgemeiner Kundenservice persönlich für alle Anfragen zur Verfügung, die dort nicht nur erfasst, sondern direkt bearbeitet werden. Wir verzichten bewusst auf ein klassisches Call Center zur Erfassung von Wünschen, sondern stellen mit unseren Mitarbeitern ein Serviceteam bereit, das die Anfragen unserer Kunden sofort und individuell lösen kann.

Individuelle Tankkarten-Services und flexible Abrechnung

bfp: Welche Tankkarten-Services bieten Sie über Angebote wie die Abrechnung von Autowäschen oder ähnlichem an?

A. Wolf: Wir legen bei unseren Tankkarten großen Wert auf das Thema Sicherheit. Wir bieten zum Beispiel verschiedene Möglichkeiten der PIN-Generierung. Außerdem lassen sich bei unseren Tankkarten auch innerhalb der Unternehmen unterschiedliche Berechtigungen einstellen. Darf der Geschäftsführer zum Beispiel alle Kraftstoffe und andere Produkte bezahlen, können seine Mitarbeiter hingegen auf Diesel beschränkt sein. Und natürlich bieten wir auch Anomalie-Reports, die sofort aufdecken, wenn beim Tanken falsche oder unrealistische Kilometereingaben erfolgen.

bfp: Wie flexibel erfolgt die Abrechnung?

A. Wolf: Grundsätzlich rechnen wir auf elektronischem Wege ab. Die Abrechnungszyklen sind in einem bestimmten Rahmen ebenfalls flexibel, in der Regel rechnen wir aber alle zwei Wochen mit 14 Tagen Zahlungsziel ab. Wir dürfen nicht vergessen: Bei der Tankkarte handelt es sich um ein Finanzprodukt, da spielt die individuelle Bonität des Kunden also auch immer eine Rolle.

bfp: Welche Reporting- und Controlling-Instrumente bieten Sie Ihren Kunden an?

A. Wolf: Das hängt von der jeweiligen Kartenkonfiguration ab. Wenn die Fahrer bei jedem Tankvorgang den Kilometerstand eingeben müssen, können wir zum Beispiel detaillierte Verbrauchsreportings bereitstellen. Generell gilt: Je mehr Parameter die Tankkarte erfasst, desto mehr Reportings können wir auch unseren Kunden zur Verfügung stellen.

bfp: Nutzen Sie die vorhandenen Daten, um Fuhrparks individuell in Sachen Kraftstoffmanagement zu beraten?

A. Wolf: Wir sind dazu gerne in der Lage. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir als Mineralölgesellschaft für Fuhrparks nicht der erste Ansprechpartner für Consulting-Leistungen sind.

Benzin, Diesel, Strom, Wasserstoff und Erdgas auf eine Karte

bfp: In welchem Maße deckt Ihre Tankkarte auch alternative Kraftstoffe wie Strom, Erdgas oder Wasserstoff ab?

A. Courteille: Wir sind mit unserer kombinierten Tank- und Ladekarte auf elektrifizierte Fuhrparks eingestellt und Kunden können auch heute schon mit der Total Tankkarte an über 100.000 Ladesäulen in Europa laden. Allerdings sind in Deutschland auf gewerbliche Kunden derzeit rund 30.000 reine Elektroautos und etwa 70.000 Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Autos zugelassen. Deshalb sind die Effekte, die wir in Sachen Elektromobilität spüren, noch überschaubar.

A. Wolf: Bei den meisten Fuhrparkmanagern findet das Thema Elektromobilität derzeit vor allem im Gespräch statt. Für diejenigen, die bereits den praktischen Schritt in die Elektromobilität getan haben, bieten wir wie erwähnt ein einheitliches Kombinationsprodukt an. Und wir als Total gehen in Sachen alternative Antriebe ja noch einen Schritt weiter: Im Rahmen der Initiative H2Mobility stellen wir mehr als 20 von derzeit über 70 Wasserstofftankstellen in Deutschland. Diese Zahl soll langfristig auf 400 wachsen, das heißt, auch bei Total wird die Zahl der Wasserstofftankstellen auf absehbare Zeit zunehmen.

A. Courteille: Ich denke, Total ist in punkto alternative Kraftstoffe Avantgarde. Wir gehen in Vorleistung und investieren erhebliche Mittel in Schnellladesäulen, Wasserstoff, CNG und LNG. Insgesamt können wir heute aber noch gar nicht sagen, wie der Energiemix der Zukunft aussehen wird. Wir können nur sagen: Wir bereiten uns auf alle vorstellbaren Energieträger vor. Und sofern gewünscht, lassen sich dann auch alle relevanten Kraftstoffe selbstverständlich über unsere Tankkarte abrechnen.

Von der Tankkarte zur Mobilitätskarte

bfp: Wie wird sich das Produkt Tankkarte generell in Zukunft entwickeln?

A. Courteille: Mit ihren vielen Zusatzleistungen sind moderne Tankkarten bereits heute keine reinen Tankkarten mehr. Wir sprechen schon heute eher von einer Mobilitätslösung, und das wird sich in naher Zukunft noch deutlich verstärken. Die Betankung des klassischen Dienstwagens tritt in den Hintergrund. Der Weg von A nach B – und das schnell, differenziert, effizient, kostengünstig und umweltfreundlich – tritt in den Vordergrund. Genau diesen Weg werden die Tankkarten in Zukunft begleiten und beschreiben. Mit ihnen werden die einheitliche Bezahlung und vor allem auch die einheitliche Abrechnung verschiedener Mobilitätsservices möglich.

bfp: Wann kommt eine solche Mobilitätsplattform von Total?

A. Courteille: Eine solche Mobilitätskarte integriert eine Vielzahl von Partnern. Dies reicht natürlich vom Kraftstoff, in welcher Energieform auch immer, über verschiedene Transportmittel vom Car Sharing zum Bahnticket bis zu den Reisestationen in Hotels und Gastronomie. Mobilität ist heute grenzenlos und längst nicht nur eine physische Reise, sondern auch eine digitale Präsenz und Kommunikation. Wir als Total sind schon heute aktiv, um eine solche Mobilitäts-Plattform aufzubauen.

bfp: Wann setzt sich das Mobile Payment auch bei Tankkarten durch?

A. Wolf: Ich glaube, es ist schwierig, da einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Das hängt sehr von der Einstellung des jeweiligen Kunden zum Thema Mobile Payment ab. Gerade in Deutschland besitzt Bargeld ja noch einen sehr hohen Stellenwert. Analog dazu bevorzugen sehr viele Kunden heute auch noch die physischen Tankkarten. Wir werden die Plastikkarte also auch in den nächsten Jahren noch anbieten. Allerdings haben unsere Kunden ja schon heute die Wahl, flächendeckend via App mit einer sogenannten E-Wallet zu bezahlen.

bfp: Herr Courteille, Herr Wolf, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christian Frederik Merten.

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