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Unterwegs im Elektroauto

Saubere Lösung

Ein Elektroauto für die Flotte? Warum denn nicht? Mit dem Nissan Leaf macht man nichts falsch, ein paar Punkte sind aber zu beachten.

Von Timo Bürger

Der Nissan Leaf ist eines der weltweit erfolgreichsten Elektroautos. In Europa war er 2018 sogar das meistverkaufte E-Fahrzeug. Aber eignet sich der Fünfsitzer auch für die Flotte? bfp fuhrpark & management weiß die Antwort.

Reichweite: 250 Kilometer sind drin

Bis fast 300 Kilometer weit soll der Leaf nach WLTP-Messung kommen, ganz so viele sind es aber in der Realität nicht. 250 km Reichweite bei 30 Grad Außentemperatur zeigt das schlicht gehaltene Display an. Tatsächlich weist der Bordcomputer nach den ersten moderat schnell zurückgelegten 100 Kilometern einen Verbrauch von 17 kWh aus. Das geht in Ordnung – die Strecke Frankfurt-Köln lässt sich also auch mit flotterem Fahrstil bewältigen. Wobei: Bei Tempo 144 macht der Nissan Leaf ohnehin Schluss.

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Ganz schnell fahren klappt also nicht, eine forsche Beschleunigung elektroautotypisch aber schon. Ganz so flott will man aber gar nicht unterwegs sein, denn das Fahrzeug macht schon bei moderaten Tempi einfach Spaß. Dann gleitet der Leaf entspannt-leise vor sich hin. Ohnehin fühlt man sich im Innenraum wohl: Das Interieur ist sauber verarbeitet, man sitzt bequem, die Materialien wirken angenehm, nur die Grafik des Navigationssystems wirkt etwas simpel.

Mit einem Pedal fahren

Eine technische Besonderheit bringt der Nissan Leaf serienmäßig mit: Über das zuschaltbare E-Pedal lässt sich der Wagen quasi mit einem Pedal beschleunigen und bremsen, so stark verzögert – und rekuperiert – das Fahrzeug dann. Ein wenig Gewöhnung und Abschätzung der Verkehrssituation sind aber notwendig, um mit dieser Funktion bestmöglich zu bremsen. Wem dies zu unsicher ist, deaktiviert die Funktion und benutzt weiterhin das Bremspedal.

Auch die Ladelogistik ist eigentlich kein Problem, vor allem, wenn sich – wie im Falle des Autors – fußläufig von der Wohnung öffentliche und in der Regel freie Ladesäulen befinden. Sie spenden bis zu 22 kW Strom, die 192-Lithium-Ionen-Module der 40 kWh-Batterie des Nissan Leaf könnten also in zwei Stunden komplett aufgeladen sein.

Schneller laden mit Gleichstrom

Die Betonung liegt auf könnten: Denn an Wechselstrom-Säulen ist der Japaner nur mit maximal 6,6 kW ladbar, in der Praxis zeigte das Display sogar meistens nur 6 kW Ladeleistung an. Einmal Volltanken dauert dann etwa sieben Stunden. Man müsste das Fahrzeug also über Nacht laden – im konkreten Fall erlaubten die Schilder an den Ladesäulen allerdings nur „3 Stunden Parken während des Ladevorganges.“ Oder man sucht sich eine Schnellladestation und lädt das Fahrzeug mit Gleichstrom auf – dann dauert der Vorgang nicht einmal eine Stunde.

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Während man beim Laden also Lösungen findet, lässt sich die Beschaffenheit des Kofferraums leider nicht ändern. Die wenig wertig wirkenden Plastik-Verzurrösen schaffen wenig Vertrauen beim Thema Ladungssicherung. Zudem ist die Ladekante mit 20 Zentimetern recht hoch. Wer eine volle Kiste Wasser einladen will, schafft dies nur mit Kraft und Anstrengung. Die beiden Taschen mit den Ladekabeln nehmen ebenso viel Platz ein wie der im Kofferraum installierte Subwoofer des satt tönenden Bose Sound-Systems.

Reichhaltige Serienausstattung

Da sind wir schon bei der Ausstattung des Nissan Leaf. Elektroautospezifisch sind schon in der Basisausstattung an Bord:

  • Chademo-Schnellladeanschluss, Gleichstrom (bis 50 kW)
  • EVSE-Ladekabel (Mode-2-Sicherheitssystem) mit Haushaltsstecker (bis 2,3 kW)
  • Mode-3-Ladekabel Typ 2/Typ 2 (bis zu 7,4 kW)
  • Typ-2-Ladeanschluss Wechselstrom (bis 6,6 kW)

Und auch außerhalb des Lade-Equipments gibt es keinen Grund, sich über den Umfang der Serienausstattung des Leaf zu beklagen. Sind doch ab Werk schon Infotainment- und Komfort-Features wie

  • das NissanConnect EV Multimedia-System mit 8"-Farbdisplay mit Touchscreen
  • Apple CarPlay und Android Auto
  • ein sprachgesteuertes Navigationssystem inklusive RDS-TMC-Meldungen
  • das EV-Telematiksystem mit Ladesäulenfinder
  • eine Rückfahrkamera sowie
  • eine Klimaautomatik

an Bord.

Auch die Sicherheit kommt beim Nissan Leaf nicht zu kurz. Immer an Bord sind jede Menge elektronischer Assistenten. Immer mit dabei sind zum Beispiel ein Fernlicht- oder aktiver Spurhalteassistent, ein adaptiver Tempomat und ein Notbremsassistent mit Fußgängererkennung. Dazu kommen der Querverkehrswarner, der Totwinkelassistent und die Verkehrszeichenerkennung. Preis: 30.924 plus Umsatzsteuer.

Jetzt bis zu 400 Kilometer Reichweite

Als Elektrofahrzeug in der Flotte eignet sich der Nissan also durchaus für Stadt und Land. Zwar können auch problemlos größere Strecken absolviert werden, zum (flotten) Kilometerfresser wird der Leaf aber nicht. Aber wem das zu wenig ist: Nissan bietet den Leaf ab sofort mit größerem Akku und mehr Leistung an. Dann sind fast 400 Kilometer Reichweite möglich – und der Leaf wird zum vollwertigen Flottenfahrzeug.

Technische Daten Nissan Leaf Tekna 110 kW 40 kWh

  • Fünfsitzige, fünftürige Kompaktklasse
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.490/1.788/1.530 - 1.540
  • Radstand in mm: 2.700
  • Elektromotor max. Leistung (kW/PS bei min-1): 110/150 bei 3.283-9.795
  • Max. Drehmoment (Nm bei min-1): 320 bei 3.283
  • Batteriekapazität in kWh: 40 kWh
  • Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,9 s
  • Verbrauch kombiniert nach WLTP: 20,6-19,4 kWh/100 km
  • Testverbrauch: 17 kWh/100 km
  • CO2-Emissionen: 0 g/km
  • Laderaumvolumen in l: 385-420
  • Preis Testwagen: 35.378 Euro (netto)

Betriebskosten Nissan Leaf Tekna

Betriebskostenvergleich

© bfp fuhrpark&management

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