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Reifenmanagement

Reifen richtig managen

Wie funktioniert effizientes und kostengünstiges Reifenmanagement? Was sind aktuelle Trends? Fachleute aus der Reifenbranche teilen ihre Expertise.

Inhaltsverzeichnis

Von Esra Tatlises

So unscheinbar die kleinen, runden Pneus auch aussehen mögen – sie sind unsagbar wichtig, was die Sicherheit, den Komfort und die Effizienz des Fahrzeugs betrifft. Aus diesem Grund ist professionelles Reifenmanagement und dessen bedarfsgerechte Anpassung an die Flotte unermesslich. An welchen Stellen kann der Fuhrparkverantwortliche seine Prozesse optimieren, um Zeit zu sparen und Kosten zu senken? Und was bewegt die Branche heute? Wir haben bei den Profis aus der Reifenindustrie nachgefragt.

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Stellschraube Zeitmanagement

"Zeit ist Geld", heißt es sprichwörtlich. Selbstverständlich bieten spezialisierte Dienstleister ihren Kunden an, das Reifenmanagement für sie zu übernehmen. Und ja, sowohl Fuhrparkmanager als auch Fahrer können die wertvolle Ressource Zeit produktiver nutzen, statt sie durch stundenweises Warten in der Werkstatt zu verschwenden. Voraussetzung hierfür ist laut Thomas Tietje, Leiter Geschäftskunden bei A.T.U, die frühzeitige Planung: "Durch die optimale Nutzung von Frühbucherangeboten kann ein Fuhrparkmanager nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen. Hierbei kommt es auf eine rechtzeitige Planung und Durchführung der Umbereifung an." So profitieren Fuhrparkverantwortliche von kürzeren Standzeiten des Fahrzeugs und transparenteren Prozessabläufen.

Die meisten Reifenservicebetriebe bieten zu weiterem Zeitersparnis auf Wunsch außerdem Mobile Fitting oder Hol-und-Bring-Dienste an. Darüber hinaus werden All-in-One-Lösungen immer populärer. Dazu Jochen Clahsen, Manager D-A-CH der 4 Fleet Group: "Es geht um den zuverlässigen schnellen Service, der auch Themen wie UVV und Führerscheinkontrolle beinhaltet. Die Wartezeiten der Fahrer müssen minimiert werden, und das idealerweise bei nur einem Werkstattbesuch pro Umrüstzyklus."

Stellschraube Unterschätzung

Dem ADAC zufolge muss ein Fahrer rund alle 150.000 Kilometer mit einer Reifenpanne rechnen. Risse in der Lauffläche oder beschädigte Reifenflanken sind ein großes Sicherheitsproblem und zwingen zum sofortigen Handeln. Um größere und schleichende Schäden zu vermeiden, sollten regelmäßige Wartungen fester Bestandteil in der Reifenverwaltung sein. Matthias Schuldes, Leiter Driver Fleet Solution bei Pirelli und damit verantwortlich für Driver Handelssysteme, betont dabei vor allem die Sparpotenziale: "Kontinuierlich gewartete Reifen fahren stets mit dem richtigen Fülldruck, was die Treibstoffkosten senkt. Zugleich ist der Reifenabrieb gleichmäßiger, was den Verschleiß reduziert und die mögliche Runderneuerung vereinfacht." Damit, so Schuldes, verringere man das Risiko kostspieliger Reifenpannen. Außerdem: "Abgefahrene Reifen werden rechtzeitig ersetzt. Das vermeidet Straf- und Bußgelder bei Fahrzeugkontrollen."

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Stellschraube Kommunikation

Bekanntlich bewirken die "kleinen Dinge" schon sehr viel. Der rege Austausch zum Dienstleister kann Missverständnissen vorbeugen und den Schock überraschender Rechnungspositionen vermeiden. "Wir betonen ganz klar die Kommunikation zwischen Dienstleister und Fuhrparkmanager. Ein weiterer Faktor wäre die direkte Absprache. Durch geschlossene Verträge können eventuelle Rückfragen bereits vorab geklärt werden und so im Nachgang dem Manager deutlich Aufwand ersparen", sagt auch Carsten Fischer, Bereichsleiter für Autoglas und Key-Account-Management bei Euromaster. Aber auch die jeweiligen Dienstwagennutzer sollten für das Thema Reifenmanagement sensibilisiert werden und aktiv am Informationsaustausch mitwirken. Sebastian Becker, Leiter Pkw-Flotten und Fleet Partner bei Vergölst, ordnet ein: "Hier gibt es verschiedene Ansätze: Proaktive Rückmeldungen zum Reifenmanagement aus der Flotte, digitale Prozess- und Nutzungskontrollen sowie eine entsprechende Fahrersteuerung."

Trendmonopol Digitalisierung

"Immer mehr Prozesse werden digital", sagt Arnd Metzler, Key Account Flotte Consumer bei First Stop Reifen Auto Service. "Reifenbestellungen werden online durchgeführt, Einlagerungsreports den Kunden elektronisch zur Verfügung gestellt." Damit spricht er aus, worüber sich alle Branchenexperten einig sind: Auch das Reifengeschäft bleibt von der Digitalisierung nicht verschont. Den kommunizierenden Pneu gibt es schon, wenn auch noch nicht serienmäßig, bislang für Lkws und Busse. Sie sind mit leistungsfähigen Sensoren ausgestattet und können relevante Reifendaten erfassen und an eine entsprechende Plattform übertragen. So können künftig potenzielle Schäden früher erkannt und rechtzeitig behoben werden. Das spart Geld und erhöht vor allem auch die Sicherheit.

In letzter Konsequenz lautet die Devise also intelligentes Reifenmanagement. So sieht es auch Albrecht von Leonhardi, Commercial Director Michelin Services & Solutions Germany, Austria, Switzerland bei Michelin: "Die Digitalisierung wird sich in naher Zukunft auch im Reifenmanagement etablieren. Erste Erfolge können wir im Lkw-Bereich bereits in unserem Effitrailer-Angebot vorweisen, mit welchem unsere Kunden ihre Trailer und deren Reifen digital und in Echtzeit überwachen können." Grundvoraussetzung für die Sensortechnik ist ein Reifendruck-Überwachungssystem, das auch für den Pkw mittlerweile Pflicht ist. Die Serienreife der intelligenten Reifen für Pkws braucht jedoch noch einige Jahre.

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Dagegen bereits gang und gäbe: Elektronische Rechnungsabwicklungen sowie Online-Reportings und Terminierungen. Diese digitalen Prozesse gilt es laut Bernd Weishaupt, Verkaufsleiter Key Account Management bei Pneuhage, noch zu erweitern und an gegenwärtige Mobilitätstrends anzupassen: "E-Mobilität, Connectivity, Mobility Services und autonomes Fahren. All diese Trends werden zu neuen Kundenanforderungen führen, an welchen wir unser Leistungsportfolio ausrichten müssen."

Werkstatttrend Weiterbildung

Mit Blick auf die voranschreitenden technologischen Entwicklungen – durch Reifeninnovation, aber auch durch alternative Antriebe – werden sich auch die Dienstleister und ihre Fachkräfte neu ausrichten müssen. Lars Schulte, Bereichsleiter für das Flotten- und Reifengeschäft bei Global Automotive Service, setzt auf die Qualifizierung der angeschlossenen Werkstattpartner: "Alle unsere Reifenpartner durchlaufen die Ultra-High-Performance-Reifen- (UHP-) und Runflat Montageschulung, die vom Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie zertifiziert wird. Gerade in der Montage dieser Reifen, ist fachmännisches Know how gefragt, da mittlerweile der UHP- und Runflat-Reifen in der Flotte eine große Bedeutung hat."

All das unterstreicht ohne Zweifel die Bedeutung des Reifenmanagements als wichtige Aufgabe des Fuhrparkleiters. Professionelles Reifenmanagement bedarf neben einer sorgfältigen Planung eben auch einer sorgfältigen Analyse des Status Quo der Unternehmensflotte. Eine Übersicht zu den wichtigsten Punkten, die beim Reifenmanagement zu berücksichtigen sind, finden Sie in unserem Online-Artikel "Reifenmanagement: Keine Universallösung beim Boxenstopp".

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