Image
AdobeStock_323499615.jpeg
Foto: Rido - stock.adobe.com
Bei der Aufnahme von Elektrofahrzeugen in den Fuhrpark handelt es sich um ein Großprojekt – und als ein solches sollte es auch von allen Beteiligten angesehen werden.

Praxiswissen

So gelingt das Projekt E-Fuhrpark 

Bedarf, Ladeinfrastruktur, Beschaffung, Interessen, Support, Finanzierung: Wie plant man einen E-Fuhrpark? Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Elektrifizierung von Flotten.

Ein Umbruch ist im Gange. Immer mehr Unternehmen bemühen sich um ein umwelt- und klimafreundlicheres Wirtschaften. Doch nicht nur die firmeneigene CO2-Bilanz soll so aufgebessert werden. Vorrechner versprechen sich von der Transformation auch ein Plus an Effizienz, eine Imageverbesserung und auf Dauer niedrigere Betriebskosten. Als Erstes gerät dabei häufig die Mobilität in den Blick. Ein E-Fuhrpark, also eine komplett oder zumindest zu großen Teilen elektrifizierte Flotte samt geeigneter Infrastruktur, gilt vielerorts als Prestige-Projekt. Ob gewollt oder ungewollt: Fuhrparkmanager sind dann als „Öko-Pioniere“ gefragt.

Auch wenn die Elektromobilität nunmehr den Kinderschuhen entwachsen sein mag – neu und ungewohnt ist sie dennoch. Während man als Privatperson bereits einiges bei Anschaffung und Betrieb eines E-Autos zu beachten hat, sind die Fragezeichen bei einer ganzen Flotte nur umso zahlreicher: Lässt sich der Bedarf meiner Fahrer mit E-Fahrzeugen abdecken? Wie stelle ich eine Ladeinfrastruktur auf die Beine? Und schließlich: Wer im Unternehmen hat beim Thema E-Fuhrpark noch mitzureden?

Der Umbau geht nicht nebenbei

So viel ist sicher: Bei der Aufnahme von Elektrofahrzeugen in den Fuhrpark handelt es sich um ein Großprojekt – und als ein solches sollte es auch von allen Beteiligten angesehen werden. Es ist keinesfalls damit getan, einzig bei der nächsten Fahrzeugbestellung das Häkchen bei „Elektromotor“ anstatt bei Diesel und Co. zu setzen. Denn: E-Fahrzeuge unterscheiden sich nicht nur in Sachen Antrieb von ihren spritbetriebenen Artverwandten. Gleichzeitig erfordert die bestehende und benötigte Infrastruktur einen kritischen Blick. Und letztendlich ist dann noch jede Menge Überzeugungsarbeit in diversen Unternehmensabteilungen zu leisten – insbesondere natürlich bei den Fahrzeugnutzern.

Vor der Detailarbeit sollten sich Fuhrparkverantwortliche jedoch erst einmal selbst motivieren. Denn ohne ihren Elan (beziehungsweise „Druck von oben“) versandet das Zukunftsvorhaben schneller, als ein E-Auto beschleunigt. Sich selbst mit den Vorteilen einer Flotten-Elektrifizierung zu konfrontieren, ist ein guter Anstoß. Beispiele dafür wären:

  • CO2-neutrale Mobilität
  • Neues, aufregendes Fahrgefühl
  • Verbrenner-Einschränkungen/Verboten vorgreifen
  • Kosteneinsparung im Betrieb
  • Fortschrittliches Image bei Stakeholdern
  • Nutzung von Umweltspuren und Sonderparkplätzen
  • Aktuell hohe Subventionen/Förderungen
  • Steuervorteile bei privater Nutzung

Der Bedarf entscheidet

Doch auch mit diesen Trümpfen in der Hand ist das Spiel noch kein Selbstläufer. Heutige Stromer können nicht jedes Dienstfahrzeug mit konventionellem Antrieb eins zu eins ersetzen. Das liegt zum einen an der noch vergleichsweise geringen Reichweite von aktuell rund 400 Kilometern bei teils erheblichen Ladezeiten, wenn nicht gerade eine Schnellladesäule um die Ecke liegt. Manch ein Kollege aus dem kilometerintensiven Außendienst wird hier also abwinken. Ebenso ist das Fahrzeugspektrum limitiert: Bislang nimmt sich das Angebot an elektrifizierten Nutzfahrzeugen relativ klein aus: Vor allem an Reichweite und Nutzlast müssen die Hersteller noch schrauben.

Damit wären wir schon mitten in der Bedarfsanalyse. Fuhrparkmanager sollten die Nutzungsprofile der gesamten Flotte kennen, um abschätzen zu können, wo ein E-Auto-Einsatz Sinn ergibt. Zu beantworten sind folgende Fragen:

  • Welche Strecken legen die Fahrer durchschnittlich und maximal zurück?
  • Wann und wo kommt es zu längeren Standzeiten?
  • Wie viel Platz benötigt der Fahrer – für Mitfahrer, Gepäck und Waren?
  • Wie lässt sich die Erstellung solcher Nutzungsprofile datenschutzrechtlich einwandfrei gestalten – etwa in Form einer Einwilligung sämtlicher und nicht nur einiger Beschäftigter über die Datenerhebung?

Plug-in-Hybride an die Steckdose!

Mehr Flexibilität – gerade für User-Chooser und Außendienstler – versprechen indes Plug-in-Hybride. Viele der genannten E-Vorteile treffen auch auf sie zu. So fließen etwa Subventionen vom Staat, wenn die rein elektrische Reichweite größer/gleich 60 Kilometer und der CO2-Ausstoß im Verbrenner-Betrieb nicht mehr als 50 Gramm pro Kilometer beträgt. Mit einem solchen Fahrzeug wäre die durchschnittliche Pendlerstrecke rein elektrisch zurücklegbar – vorausgesetzt, es wird regelmäßig geladen.

Ist dies nicht der Fall, lohnt sich die Anschaffung der teureren und im Spritbetrieb durstigeren Fahrzeuge kaum. Um den „falschen“ Umgang mit Plug-in-Hybriden so gut es geht auszuschließen, sollten Fuhrparkverantwortliche Car-Policy und Nutzervereinbarung anpassen und darin regelmäßiges Laden vorschreiben. Über das Controlling der Betriebskosten lässt sich ein Fehlverhalten dank digitaler Hilfsmittel schnell aufspüren. Ein Bonus-Malus-System schafft zusätzliche Anreize.

Die (eigene) Ladeinfrastruktur als Knackpunkt

Doch wo überhaupt laden? Diese Frage ist vielmals die entscheidende. Erst wenn die Kollegen während ihrer gewöhnlichen Standzeiten den Akku ihres Fahrzeugs aufladen können, also vornehmlich zu Hause sowie am Arbeitsplatz, zahlt sich ein E-Fuhrpark aus. So ist eine Bezuschussung oder Kostenübernahme für heimische Wallboxen denkbar, genauso wie die Übernahme von Stromkosten für „Heimlader“. Das Herzstück bildet jedoch eine firmeneigene Ladeinfrastruktur, bei der möglichst alle relevanten Unternehmensstandorte inbegriffen sind. Hierfür gilt es gemeinsam mit dem Facility Management und/oder den Vermietern die Machbarkeit zu prüfen. Eine eigene emissionsfreie Stromerzeugung vor Ort, etwa durch PV-Anlagen, ist das Sahnehäubchen und die Garantie für wirklich CO2-neutrale Mobilität.

Platz und Kooperationswille bilden jedoch nur zwei Mosaiksteine im Gesamtprojekt: Die Konzeption einer Ladeinfrastruktur stellt, so viel Realismus muss sein, einen erheblichen Aufwand dar – und mag in manchen Fällen selbst den enthusiastischsten Fuhrparkleiter zunächst überfordern. Zur Planung gehören, neben der Wahl der richtigen Hardware, auch die passende softwaregestützte Steuerung inklusive Lastmanagement (um teure Stromspitzen zu vermeiden). Des Weiteren muss man sich mit Fördermöglichkeiten und (versicherungs-)rechtlichen Fragen auseinandersetzen. Natürlich bieten diverse Dienstleister fachkundige Unterstützung bei Aufbau und Betrieb einer eigenen Anlage; andere wiederum ermöglichen es, beides sogar gänzlich auszulagern.

Wen es noch zu überzeugen gilt

Selbstredend steigen mit dem Hinzuziehen von Beratern oder durch etwaiges Outsourcing die Kosten – die ohnehin scharf vom Unternehmenscontrolling beäugt werden. Als argumentativer Türöffner dürften hier die aktuellen Fördermöglichkeiten dienen, etwa Kaufprämien vom Bund sowie KfW-Kredite für Fahrzeug-Anschaffung und die Implementierung einer Ladeinfrastruktur am Firmengelände. Auch bei der Überlassung von Wallboxen an Arbeitnehmer gibt es steuerliche Vorteile. Zudem entfällt die Kfz-Steuer bei E-Autos bis mindestens 2031. Hinzu kommt, dass die Stromkosten aus allen naheliegenden Bezugsquellen niedriger ausfallen als Aufwendungen für Benzin und Diesel.

Gleichzeitig sollten Fuhrparkverantwortliche die Personalabteilung ebenso wie den Betriebsrat ins Boot holen, um diverse Anreize und Optionen wie Gehaltsumwandlungen, private Nutzung oder die Überlassung von Wallboxen zu erörtern. Und auch die Einbindung der Rechtsabteilung ist mit Blick auf eine Erfassung von personen- oder fahrzeugbezogenen Daten bereits zu einem frühen Zeitpunkt empfehlenswert.

In der Belegschaft Begeisterung wecken

Doch selbst mit grünem Licht aus all diesen Abteilungen verhallt der Startschuss schnell im Nichts, wenn sich kein Fahrzeugnutzer von der E-Mobilität überzeugen lassen mag. Vorbehalte gegenüber der Technik sind nach wie vor stark verbreitet. Zwar berichten Flottenmanager von bröckelnden Bedenkenmauern, doch wirkliche Bereitschaft und Tatendrang müssen vielerorts erst geweckt werden. Bei der Verbreitung von Informationen hilft der direkte Draht zu den Fahrern, ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Kommunikationsabteilung. Auch Aktionen wie interne Events mit der Möglichkeit zu Probefahrten können ein probates Mittel darstellen, um selbst bei hartgesottenen Skeptikern ein für alle Mal den „E-Enthusiasmus“ zu wecken!

_________________________________________________________________________________________________________________

Sie wollen mehr wissen über E-Mobilität im Fuhrpark?

In den kompakten, herstellerunabhängigen und modularen Online-Seminaren „Elektromobilität im Fuhrpark“ der bfp AKADEMIE erfahren Sie alles, was Sie für den Aufbau eines E-Fuhrparks brauchen. Von den aktuellen Marktdaten über die professionelle Einführung in Ihrem Unternehmen bis hin zu den relevanten rechtlichen Aspekten lernen Sie alles zu Elektromobilität in Fuhrparks. Melden Sie sich jetzt an!

_________________________________________________________________________________________________________________

Tipps & News rund um Fuhrparkmanagement und betriebliche Mobilität:der fuhrpark.de-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen fuhrpark.de-Newsletter!