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E-Mobilität und Lastenräder

Moderne Logistik bei Hermes: elektrisch und per Fahrrad

Der Logistik-Dienstleister Hermes setzt auf moderne Mobilität. E-Transporter und Lastenräder gehören schon heute fest zum Fuhrpark.

Von Christian Frederik Merten

Da haben sie sich einiges vorgenommen bei Hermes, was das Thema Nachhaltigkeit betrifft. "Bis 2025 wollen wir in den 80 größten Städten in Deutschland emissionsfrei zustellen", sagt Sascha Kleinert, Manager Last Mile für die Area Hamburg bei Hermes. Elektro-Transporter dürfen in der Hermes-Flotte also künftig nicht fehlen.

Insgesamt betreibt die Logistik-Tochter der Otto Group für den urbanen Lieferverkehr in Deutschland etwa 100 Elektro-Transporter im Regelbetrieb, davon derzeit 26 am Standort Hamburg. Seit Mai sind an der Elbe auch 15 E-Sprinter aus Serienproduktion im Einsatz. Bei der elektrischen Logistik setzt Hermes bereits seit 2017 auf Transporter von Mercedes-Benz und gehört heute zu den weltweit ersten Kunden des neuen Modells.

Mehr Reichweite in der Praxis

Mindestens 100 Kilometer Reichweite hat sich Hermes vertraglich zusichern lassen, in der Praxis schaffen die E-Sprinter aber deutlich mehr, sagt Kleinert: "120 bis 140 Kilometer sind bei uns kein Problem." Auch und vor allem mit Blick auf die Fahrerakzeptanz sei das ein wichtiger Punkt, meint er: "Am Anfang waren die schon erstmal misstrauisch", berichtet Kleinert. Viele hätten Angst gehabt, dass ihnen mitten auf der Tour der Saft ausgeht. Diese Skepsis sei aber schnell verflogen: "Nach der ersten Tour will kaum noch einer auf einen Diesel umsteigen."

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Zumal die E-Sprinter im Alltag genauso praktikabel sind wie ihre Geschwister mit Verbrennungsmotoren – oder sogar noch viel mehr. Denn mit dem neuen E-Sprinter bietet Hermes seinen Fahrerinnen und Fahrern erstmals einen Durchgang von der Fahrerkabine in den Laderaum, außerdem gibt es ein neues flexibles und klappbares Regalsystem, das die Arbeit im Laderaum erleichtert. Das Ziel: Die Reduzierung der körperlichen Belastung der Zustellerinnen und Zusteller sowie ein Sicherheitsplus. Denn so ist nun auch ein direkter und leichter Ein- und Ausstieg über die Schiebetür auf der Beifahrerseite möglich.

Eigene Ladepunkte vorhanden

Einen kleinen Nachteil hat die E-Mobilität gegenüber den konventionellen Verbrennern natürlich noch, und das sind die deutlich längeren Lade- als Tankzeiten. Aber auch diesen Punkt sieht Hermes unproblematisch. Das Stromtanken lasse sich hervorragend auf die Standzeiten der Transporter abstimmen, so Sascha Kleinert: "Wir laden die Fahrzeuge über Nacht, dann sind sie wieder bereit für den Einsatz." Dafür gibt es auf dem Gelände des Logistikzentrums derzeit 42 Ladepunkte. Da der Standort erst vor kurzem neu eröffnet wurde, ist die Infrastruktur für weitere Ladepunkte bereits vorhanden: Bis zu 100 Ladepunkte sind auf dem Areal insgesamt kurzfristig darstellbar. Zusammen mit Daimler denkt Hermes aber auch über weitere Ladekonzepte nach, zum Beispiel Schnellladesysteme an der Rampe. "Dann könnten wir gleich doppelt laden", sagt Kleinert. "Pakete in den Transporter und Strom in den Akku."

Und welche ökonomischen Vorteile bietet die E-Mobilität in der Logistik? Vorausgesetzt man kauft den richtigen Strom, rentiert sich auch der höhere Preis für die E-Transporter, so Kleinert. Und als Teil der Otto Group lasse sich der Business Case E-Mobilität für Hermes durchaus darstellen. Dass es sich dabei um grünen Strom handelt, ist für Sascha Kleinert sowieso selbstverständlich.

Aber nicht nur die Effizienz spricht für die elektrischen Transporter. "Die Autos sind ein wahnsinniger Sympathieträger für uns. Und das, obwohl wir sie gar nicht speziell beschriften." Kein Wunder, dass Hermes die E-Mobilität in seiner Flotte weiter ausbauen will, auch für Vertragspartner und Generalunternehmer, die für das Unternehmen im Einsatz sind. Aber Kleinert unterstreicht auch: "Es ist nicht nur die Hardware, die es anzuschaffen gilt. Es ist eine Umstellung in den Köpfen, alle müssen mitziehen."

Lastenräder als sinnvolle Ergänzung zu Sprinter und Co.

Das gilt auch für ein anderes Verkehrsmittel, das Hermes derzeit in Berlin, Hamburg, Leipzig, Cottbus und Rostock ausprobiert: das Lastenrad. Eine zweistellige Anzahl an Modellen verschiedener Hersteller hat Michael Peuker, Sustainability Manager bei Hermes und damit verantwortlich für New-Mobility-Konzepte, derzeit im Einsatz. Derzeit geht ein Modell der Firma Velove auf Tour, 4,64 Meter lang, 80 Zentimeter breit und bestückt mit zwei Rollcontainern. Sie fassen je einen Kubikmeter Ladung, die insgesamt 300 Kilogramm schwer sein darf.

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Warum aber neben den E-Transportern auch noch Lastenräder? Die Erklärung folgt prompt: "Auch E-Fahrzeuge stehen im Stau, auch wenn er dann emissionsfrei ist", so Peuker. "Gerade im innerurbanen Bereich sind wir mit Lastenrädern deutlich wendiger und damit schneller und flexibler unterwegs." Die deutlich geringere Verkehrsfläche der Lastenräder spreche in der Praxis einfach für sich. Ganz ersetzen werden die Lastenräder Sprinter und Co. aber auch in Zukunft nicht. "Transporter und die E-Mobilität sind weiterhin das Rückgrat unseres Geschäfts", unterstreicht Peuker. "Vor allem im urbanen Raum sind Lastenräder für uns aber eine sinnvolle Ergänzung."

Wunsch: Full Service für Lastenräder

Zumal auch die Lastenräder nicht ohne Transporter auskommen. Denn mehr als zehn Kilometer pro Tag fahren die E-Bikes für den Logistikeinsatz nicht. "Wir sind im Radius der Mikrodepots unterwegs, die wir über Hamburg und Berlin verstreut haben, zum Beispiel in Einkaufszentren", sagt Peuker. Diese Mikrodepots beliefert Hermes wiederum mit Transportern, und außerdem kommt auf drei Lastenräder ein Transporter, der sperrige Güter wie Möbel ausliefert. "Mit den Rädern liefern wir ausschließlich kleine und leichte Pakete und vor allem in Tüten verpackte Ware aus, zum Beispiel Modeartikel."

Dennoch, der Mobilitätswandel erfordere neue Lösungen auch in der Logistik, so die einhellige Meinung bei Hermes. Dafür sind die Hamburger auch bereit, einiges zu investieren. Einen gut ausgestatteten Kleinwagen bekommt man für ein gutes Lastenrad, zieht Michael Peuker den Vergleich. Denn Fahrradtechnik kommt in den Vehikeln eigentlich überhaupt nicht zum Einsatz, sondern Know-how aus der Automobilbranche. Das erkennt man zum Beispiel an der aufwendigen Schraubenfederung, aber auch an Sicherheitsausstattung wie Blinkern und Bremsleuchten. Übrigens: Für die geleasten Akkus der Firma Green Pack gibt es über die Stadt verteilte Wechselautomaten, die sich mittels RFID-Chip öffnen lassen. Was Peuker heute noch fehlt, ist ein Full-Service-Paket für Lastenräder, wie man sie beim Fahrzeugleasing kennt: "Bis hin zum Pay per Use."

Die Fahrer melden sich freiwillig für den Einsatz auf dem Lastenrad. Außerdem schreibt Hermes auch spezielle Stellen für Radlogistiker aus. Speziell in Hamburg konnte man so auch neue Mitarbeiter akquirieren, die gar keinen Führerschein haben. Diese klassischen Radkuriere hadern auch nicht mit dem fehlenden Wetterschutz der Räder. Dennoch hat Hermes auch Modelle mit Fahrerhaus im Einsatz. Denn, so Michael Peuker: "Grundsätzlich stoßen Cargobikes, die über ein Dach im Fahrerbereich verfügen, unter Kurieren auf großes Interesse. Daher wird für uns die Überdachung des Fahrerbereichs in Zukunft Mindestanforderung bei der weiteren Implementierung von Bikes sein."

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