Foto: Clemens Noll-Velten / bfp fuhrpark und management

bfp-Test

Zurück in die Zukunft: der Toyota Corolla in der Praxis

Mit dem Corolla will sich Toyota wieder ein größeres Stück vom Kompaktwagen-Kuchen abschneiden. bfp nahm den Kombi Touring Sports als Hybrid unter die Lupe.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Er ist wieder da: Nach mehr als zehn Jahren tauft Toyota sein Kompaktmodell wieder durch die komplette Modellpalette auf den Namen Corolla. 2007 bedienten die Japaner das Kompaktsegment in Europa mit dem Auris, nur die in Deutschland unwichtige Stufenheckversion fuhr weiter unter dem Namen Corolla. Was immer Toyota dabei ritt, einen gut eingeführten Traditionsnamen aufzugeben, der untrennbar mit der Marke verbunden ist – egal. Seit Frühjahr 2019 stehen auch Fünftürer und Kombi wieder als Corolla beim Toyota-Händler.

Anders als seine Vorgänger überzeugt der Corolla, früher vor allem Garant für automobile Langlebigkeit, nicht nur mit inneren Werten. Mit breiter Spur und dynamisch gezeichneten Scheinwerfern macht er jetzt auch optisch was her. Technisch bleibt er der Toyota-Linie treu: Diesel gibt es keine mehr im Corolla, Fünftürer und Kombi kommen mit drei Benzinern mit 116, 122 oder 184 PS, die stärkeren zwei sind Hybride. Die viertürige Limousine ist ausschließlich mit dem Basis-Hybridantrieb erhältlich.

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Viel Platz im Corolla Touring Sports

Für unseren Test wählten wir den Kombi Corolla Touring Sports mit 184 PS Systemleistung. In ihm sorgen ein 2,0-Liter-Benziner mit 152 PS sowie ein 109 PS starker Elektromotor für Vortrieb. Die Kraft bringt der Hybrid wie bei Toyota üblich über eine stufenlose Automatik auf die Straße. Er kam in der Ausstattungsvariante Club, die heute nicht mehr in der Corolla-Preisliste steht. Serienmäßig an Bord waren unter anderem Zweizonen-Klimaautomatik, E-Call-Notruf, elektrische Lendenwirbelstütze für den Fahrer, Bi-LED-Scheinwerfer, Acht-Zoll-Monitor und Multimediasystem, adaptiver Tempomat, 17-Zoll-Leichtmetallräder sowie Fernlicht-, Spurhalte-, Frontkollisions-, Verkehrszeichenassistent. Außerdem an Bord: Metalliclack (538 Euro; alle Preise netto zzgl. USt.) und das Navigationssystem (748 Euro).

Bereit für die erste Sitzprobe? Trotz dynamisch-keilförmiger Karosserie bietet der 4,65 Meter lange Corolla Touring Sports einen luftigen Innenraum. Vorne wie hinten kommt keine Platzangst auf und auch für das Gepäck bietet der japanische Kombi mehr als genug Raum: Mindestens 581 und maximal 1.591 Liter passen in den Kofferraum des Top-Hybrids. Wer sich für eine schwächere Version entscheidet, kann nochmal 15 Liter mehr einladen. Allerdings: Bei der Übersichtlichkeit fordern Keilform und breite D-Säule ihren Tribut.

Alles hat seinen Platz im Corolla-Cockpit

Übrigens zeigt sich der Corolla auch im Innenraum von der modernen Seite: Das in die Breite gezogene Cockpit kommt ebenfalls mit geschwungenen Linien daher, was aber nicht auf die Bedienbarkeit geht. Der Corolla ist einfach zu bedienen, die Instrumente gut ablesbar. Lediglich die Kunststoffe präsentieren sich in uneinheitlicher Haptik: Generell gut verarbeitet und überwiegend in angenehmer Haptik, trüben Hartplastikelemente wie zum Beispiel in der Mittelkonsole stellenweise den Eindruck.

Nichts zu meckern gibt es dagegen an den Corolla-Sitzen: Sie ermöglichen dem Fahrer auf Anhieb eine gute Position, sind gut gepolstert und bieten im Normalbetrieb einen guten Seitenhalt. Was wir uns allerdings wünschten, ist ein zum Fahrer geneigter Touchscreen in der Mittelkonsole. Das würde die im Grunde genommen sehr gute Ablesbarkeit des nochmals verbessern.

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Hörbare Dynamik im stärksten Hybrid

Insgesamt also beste Voraussetzungen auch für Langstreckenfahrten. Für genau die eignet sich auch der agile Antrieb. Wer aufs Corolla-Gaspedal tritt, der erntet direkt spürbaren Schub. Schade nur, dass der Benziner vernehmbar von sich hören lässt, wenn er die Power an die Räder lässt. Denn die stufenlose Automatik dreht den Motor gern hoch, der das mit deutlichem Dröhnen quittiert.

Das Corolla-Fahrwerk zeigt sich insgesamt komfortabel abgestimmt, lediglich kleine Bodenwellen federt es ziemlich knackig ab. Nur die Lenkung dürfte für unseren Geschmack ein bisschen direkter agieren. Vor allem beim Beschleunigen verliert man gefühlt schnell Rückmeldung.

Unser Tipp: Toyota Corolla Business Edition

Wen der Toyota Corolla grundsätzlich überzeugt, der steht schnell vor der Frage: Welchen nehmen? Der Kombi Touring Sports wäre aus unserer Sicht die erste Wahl. Er startet mit dem 116-PS-Basisbenziner, einem 1,2-Liter-Turbo, im Kombi ab 18.647 Euro. Auf dem Papier überzeugt er übrigens mit besseren Elastizitätswerten als der 122-PS-Hybrid. Wenn Hybrid würden wir also zum Spitzenmotor greifen. Er kostet allerdings mindestens 25.790 Euro, bringt dann aber nicht nur die Basisausstattung mit, sondern fährt als Comfort vor. Anders als bei der Basis, die mit Stahlfelgen, CD-Radio und manueller Klimaanlage daherkommt, sind hier 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, adaptiver Tempomat, Multimediasystem mit Rückfahrkamera, Apple Carplay und Android Auto, Zweizonen-Klimaautomatik oder beheiztes Lederlenkrad bereits serienmäßig an Bord.

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Wir empfehlen aber die Business Edition, die direkt auf der Comfort-Variante basiert. Sie ist ausschließlich für den Kombi Touring Sports und exklusiv für Gewerbekunden erhältlich und bringt neben dem Businesspaket (DAB-Radio, Außenspiegel automatisch elektrisch einklappbar, Sitzheizung vorn, elektrische Lendenwirbelstütze für den Fahrer, LED-Nebelscheinwerfer, Innenspiegel automatisch abblendbar, Regensensor) auch das Navigationssystem mit. Preis: ab 26.378 Euro. Zur Ausstattung gehören dann unter anderem aber auch ein Gepäckraumtrennnetz, das Multifunktionslenkrad, Bluetooth, Acht-Zoll-Multimediadisplay, Lichtsensor oder Spurhalte- und Verkehrszeichenassistent.

Nicht ganz nachvollziehbar ist dabei allerdings die Aufpreispolitik der Japaner. So bietet Toyota für die Business Edition besonders für Vielfahrer interessante Extras wie den Totwinkelwarner, die elektrische Heckklappe, schlüssellose Türöffnung oder auch LED-Licht gar nicht erst an. Auch die Einparkhilfe hinten und vorn gibt es für die Business Edition nicht, wobei hinten die Rückfahrkamera für beulenfeiles Rangieren sorgt.

Der Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid Club in der Kurzkritik:

Plus:

  • Viel Platz
  • Dynamischer Antrieb
  • Gut verarbeiteter und übersichtlicher Innenraum

Minus:

  • Beim Beschleunigen dröhnender Motor
  • Wichtige Extras nicht für die Business Edition erhältlich
  • Unübersichtlich nach schräg hinten

Technische Daten Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid Club:

  • Fünfsitziger, fünftüriger Kompakt-Kombi
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.650/1.790/1.435 mm
  • Frontantrieb mit stufenlosem CVT-Getriebe
  • Antrieb: Benzin (Reihenvierzylinder) plus Elektromotor
  • Leistung Verbrennungsmotor: 112 kW (152 PS)
  • Leistung Elektromotor: 80 kW (109 PS)
  • Systemleistung: 135 kW (184 PS)
  • Max. Drehmoment Verbrennungsmotor: 190 Nm bei 4.400 – 5.200 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 8,1 s
  • Norm-Verbrauch: 3,7 – 3,9 l
  • Testverbrauch: 7,4 l
  • CO2-Emission (Norm): 84 – 89 g/km
  • Kofferraumvolumen: 581 – 1.591 l
  • Tankinhalt: 43 l
  • Zuladung: maximal 540 kg
  • Preis Testwagen netto: 27.496 Euro (Konfiguration so nicht mehr verfügbar)
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